Wie viel ist zu viel?

Immer wieder taucht die Frage auf, wie lange ein Kind in einem gewissen Alter fernsehen oder Computer spielen darf, beziehungsweise ab wie vielen Stunden pro Tag man von einem Überkonsum ausgehen kann. Dabei gibt es so etwas wie ein absolutes Stundenmaß gar nicht. Wichtig ist, zu erkennen, ab wann aus dem „viel“ ein „zu viel“ wird; nämlich dann, wenn Probleme auftauchen.

"Viel" bedeutet nicht unbedingt süchtig

Eines vorweg: Von Suchtverhalten spricht man erst, wenn über einen langen Zeitraum (mehrere Monate) eine Fixierung auf ein bestimmtes Medium stattfindet. Wenn jedoch z.B. ein Kind ein neues Videospiel bekommt, ist es normal, dass es erst einmal sehr viel Zeit damit verbringt, denn neue Dinge sind immer spannend. Am Anfang wird also lange gespielt, vielleicht auch zu lange. Früher oder später wird das Spiel dann langweilig, verliert seinen anfänglichen Reiz und das Interesse daran lässt nach. Das Kind nimmt seine gewohnten Spielzeiten wieder auf. Nur weil ein Kind vielleicht während einer Woche intensiv und länger als sonst gespielt hat, bedeutet dies also noch lange nicht, dass es von dem Spiel abhängig ist.

Nutzungszeiten aushandeln

Um einem potenziellen Überkonsum den Riegel vorzuschieben, bietet es sich an, als Eltern gemeinsam mit dem Kind Nutzungszeiten für Medien auszuhandeln. Diese Nutzungszeiten sollten sich allerdings nur auf die Freizeitgestaltung beziehen, was bedeutet, dass zum Beispiel Zeit, dir für Hausaufgaben am Computer gebraucht wurde, nicht angerechnet wird.

Wenn Eltern bei den Nutzungszeiten alle Medien mit einbeziehen, können Kinder frei entscheiden, ob sie die ihnen zugestandene Zeit lieber am PC, vor dem Fernseher oder mit einem Videospiel verbringen möchten. Das schafft etwas Freiraum und macht die Restriktion für viele „erträglicher“.

Richtwerte

Der Medienkonsum sollte an das Alter und an die Bedürfnisse des Kindes angepasst sein. Bei Kleinkindern lohnt sich die Frage, ob ein Medienkonsum überhaupt Sinn macht. Wenn in jungen Jahren Zeit vor dem Bildschirm verbracht wird, dann müssen Eltern darauf achten, dass diese bestenfalls sinnvoll mit altersgerechten Programmen gefüllt wird, und dass nebenbei genug Zeit für andere, aktive Beschäftigungen bleibt. Sinnvoll ist es, wenn Eltern ihren Nachwuchs nicht allein vor dem Bildschirm lassen, sondern die Medienzeit mit ihnen zusammen verbringen.

Ab 10 Jahren übernehmen Kinder immer mehr Eigenverantwortung. Wurden Nutzungszeiten ausgehandelt, so sollten sie ihre verfügbare Stundenzahl über die Woche selber so verteilen können, dass genug Freiraum für Hobbys bleibt. Wenn das Kind dann zum Beispiel einen Spielfilm sehen möchte, ist es kein Problem auch mal 3 Stunden am Stück vor dem Fernseher zu sitzen. Dafür bleibt dann an anderen Tagen weniger Bildschirmzeit übrig.

Eltern in der Verantwortung

Wurden Medienzeiten festgelegt, dann sollten Eltern diese auch im Auge behalten. Deshalb ist, besonders bei unter 12-Jährigen, davon abzuraten, eine Spielkonsole, einen Fernseher oder einen Computer im Kinderzimmer zu installieren. Hier würde jegliche Kontrolle entfallen und auch die besten Regeln nutzen nichts, wenn sie nicht respektiert werden.

Einen guten Überblick für Medienerziehung durch die Eltern bietet die Broschüre "Kuck mat wat deng Kanner maachen".

Regeln – nicht immer notwendig

Vor allem bei älteren Kindern ist es manchmal problematisch, Regeln für die Mediennutzung aufzustellen. Besonders, da man zum Beispiel den Gebrauch von Handys, Smartphones oder kleinen Spielkonsolen nicht kontrollieren kann. Dies ist auch nicht notwendig. Viele Teenager benutzen ihr Handy rund um die Uhr, in Alltagssituationen, die der Eltern-Generation absurd erscheinen, oder spielen mehrere Stunden am Tag am PC, haben aber keine Probleme in der Schule und verhalten sich auch sonst nicht auffällig.
Eltern sollten einen gewissen Freiraum gewähren, aber auf „Alarmsignale“ achten: Haben die Leistungen des Kindes in der Schule stark nachgelassen? Wird das Kind verhaltensauffällig, isoliert sich zusehends und trifft sich kaum noch mit Freunden? Zeigt das Kind Anzeichen für einen Überkonsum? Dann wird es für Eltern höchste Zeit, einzugreifen.

Mit der Antwort auf die Frage „Wieviel ist zuviel“ beschäftigte sich auch unsere Diskussionsrunde im Herbst 2013 (Video).