für Redaktionen/Seitenbetreiber_innen/Communities:

Für Redaktionen oder Betreiber_innen von Seiten oder Communities gibt es ebenfalls einige Methoden, wie in der Diskussion Gegenrede betrieben werden kann. Durch die Autorität, die mit dem Seiten/Redaktionsaccount einhergeht, sind die Reaktionen besonders wirkmächtig und kommen vor allem bei den Nutzer_innen an, die still mitlesen.

Sensibilisieren

Es ist wichtig, die eigenen Mitarbeiter_innen für Hate Speech zu sensibilisieren. Es muss allen klar sein, dass Hate Speech ein Problem ist und dagegen vorgegangen werden muss. Interne Richtlinien sollten am besten gemeinsam im Team erstellt werden. Durch regelmäßige Schulungen für neue und alte Mitarbeiter_innen können Fähigkeiten für den Umgang mit Hate Speech erweitern und für aktuelle Themen sensibilisieren. Teammeetings können genutzt werden um über „Härtefälle“ und Umgang mit solchen zu diskutieren umso die Mitarbeiter_innen weiter zu sensibilisieren und gemeinschaftliche Richtlinien zu erstellen.

Ignorieren

Manchmal ist Ignorieren von Störer_innen eine gute Idee, da diese keine Aufmerksamkeit bekommen, was ihnen am wichtigsten ist. Debatten laufen sich tot und bleiben in einem kleinen Kreis. Der große Nachteil dieser Strategie ist, dass Debatten von lauten, aggressiven Gruppen dominiert werden können und marginalisierte Gruppen und Minderheiten keinen Zugang zu den Debatten finden.  Im schlimmsten Fall kann das Schweigen als stille Zustimmung gewertet werden.

Moderieren

Durch eine Moderation, also löschen oder verschieben von Beleidigungen oder Off-Topic-Kommentaren kann Raum für vielseitige Debatten und Austausch entstehen, es wird verhindert dass Menschen, die täglich Diskriminierung ausgesetzt sind, sich zurückziehen und die Diskurse dadurch an Vielseitigkeit verlieren. Allerdings ist eine Moderation nicht nur teuer und aufwändig, sondern kann auch die Wahrnehmung verzerren, wenn sie kommentarlos passiert. So sehen Nutzer_innen nicht, dass diskriminierende Beiträge anderer gelöscht werden, während andere Beiträge der gleichen Poster_innen stehen bleiben. Eine Möglichkeit, damit umzugehen ist die kommentierte Löschung („Kommentar von der Redaktion gelöscht. Bitte sehen sie von Beleidigungen ab!“) oder das (zeitweise) Sperren von Nutzer_innen. So werden die Nutzer_innen auf ihr Fehlverhalten hingewiesen und sie erhalten eine Begründung für die Löschung ihres Kommentars, was zusätzlich zur Sensibilisierung dieses und anderer Nutzer_innen beiträgt.

Diskutieren

Journalist_innen und Redaktionen haben eine große Autorität, deswegen zählen ihre Debattenbeiträge besonders. Oft hilft es auch, unklare Sätze aus einem Artikel zu erklären oder bei der Recherche benutzte Quellen anzugeben. So kann jenen Menschen, die überall die „Lügenpresse“ wittern, schnell der Wind aus den Segeln genommen werden. Weiter kann es auch hilfreich sein, wenn der Beitrag vom Mitarbeiter_in „signiert“ wird, so wirkt der Beitrag persönlicher und die Nutzer_innen wissen mit wem sie es zu tun haben. Man kann auch ein Kürzel benutzen, was dann im Impressum der Seite erklärt wird.

Ironisieren

Mit ironischen Kommentaren lassen sich angespannte Diskussionen sehr oft entschärfen. Die Absurdität von manchen Kommentaren lässt sich dadurch gut aufzeigen, gleichzeitig dient ein ironischer Kommentar den Journalist_innen oder Social Media-Beauftragten als Ventil, um durch zermürbende Debatten angestaute Frustrationen loszuwerden. Obwohl sich mit humoristischen Beiträgen Diskussionen sehr gut lenken lassen, bietet diese Methode kaum Platz für eine echte Debatte und kann dafür sorgen, dass sich die Fronten verhärten.