Selbstschutz

So wichtig es auch ist, gegen Hate Speech Flagge zu zeigen, so wichtig ist es auch, auf sich selbst zu achten. Nicht selten folgen auf Gegenrede Beleidigungen, Anschuldigungen oder gar Drohungen. Mit Hatern zu diskutieren kann zermürbend, ermüdend und frustrierend sein. Der Selbstschutz sollte daher stets an erster Stelle stehen! Es bringt nichts, eine Diskussion zu gewinnen, wenn du dir selbst damit schadest. Dies gilt besonders für Kinder und Jugendliche, die ihre Grenzen vielleicht noch nicht so genau kennen. Redet mit euren Eltern oder anderen Vertrauenspersonen über eure Erfahrungen mit Hate Speech, über die Strategien, die ihr angewandt habt und darüber, wie ihr euch am besten selbst schützen könnt!

Blockieren

Es ist vollkommen OK, unerwünschte Accounts zu blockieren. Lass dir nicht einreden, es sei nicht demokratisch oder verstoße gegen die Meinungsfreiheit!  Wer deine Grenzen überschreitet, entscheidest du selbst! Neben den Block- und Stummschaltfunktionen bieten manche Plattformen sogar an, Blocklisten anderer Aktivist_innen zu importieren, um bekannte Störer_innen gar nicht erst eine Chance zu geben.

Schützen:

Schütze deine persönlichen Daten, vor allem deine Adresse! Gerade im Umgang mit organisierten Rechtsextremen ist dies enorm wichtig.

Nicht persönlich nehmen:

Auch wenn es schwer fällt, das zu glauben: Viele Beleidigungen haben nichts mit deiner Person zu tun, sondern sind reine Projektion. Auch wenn es nichts an den menschenverachtenden Aussagen ändert, ist es dennoch wichtig, sich bewusst zu machen, dass Beleidigungen und Hass schneller getippt als ausgesprochen sind. Durch diese Erkenntnis lässt sich schneller Abstand gewinnen.

Nicht zu viel Rechtfertigen:

Wenn du mit Hatern diskutierst, musst du nicht jede deiner Aussagen rechtfertigen. Es ist außerdem total okay, eine Diskussion abzubrechen und klarzumachen, dass es sinnlos ist, mit Hatern zu diskutieren. Achte dabei darauf, dass du genügend Auszeit von den sozialen Medien nimmst, um Abstand zu gewinnen.

Professionelle Hilfe:

Egal ob eine psychologische Beratungsstelle oder eine Organisation, die Erfahrung im Umgang mit Rechtsextremen hat: Es kann manchmal wichtig sein, sich Hilfe zu holen oder einfach ein Gespräch mit einer Person zu führen, die die gleichen Erfahrungen gemacht hat wie du. Anonyme und vertrauliche Hilfe gibt es bei der BEE SECURE Helpline unter der Nummer 8002 1234 oder beim Kanner-Jugendtelefon unter der Nummer 116 111.

Unterstützung:

So wie du Betroffenen in Diskussionen unterstützen sollst, so sollten dir auch andere helfen. Bitte Freund_innen oder Bekannte, dir in Diskussionen zur Seite zu stehen. Eine gute Idee ist, es Gruppen oder Netzwerke zu bilden, die sich gegenseitig helfen. So ist man in Diskussionen nicht alleine und kann schnell um Hilfe bitten. Außerdem lassen sich Koordinationskanäle wie Chats auch dafür nutzen, sich gegenseitig aufzumuntern oder die Debatten humorvoll zu verarbeiten. Oft hilft es auch, nach einer Diskussion mit einer vertrauten Person darüber zu reden. Achte darauf, dass deine Sorgen ernst genommen werden, auch wenn sich eine Debatte „nur“ im Netz abgespielt hat – deine Gefühle sind trotzdem nicht virtuell!

Veröffentlichen:

Die härtesten Kommentare, Beleidigungen oder Bedrohungen zu veröffentlichen kann Schutz bedeuten. Dadurch, dass andere sehen, was auf dich einprasselt (oder einfach, was für diskriminierende Aussagen veröffentlicht oder geliked werden), wirst du Solidarität erfahren. Außerdem bist du so nicht mehr alleine mit dem „Abfall“. Es ist völlig in Ordnung, je nach Bauchgefühl die harten Hate Speech-Postings anonym veröffentlichten. Leider kommen die härtesten Sachen oft von Menschen, die unter ihrem echten Namen posten. Allerdings kann eine Veröffentlichung auch gefährlich werden, vor allem dann, wenn du nicht mehr anonym bist. Sprich vor einer Veröffentlichung von Hass-Kommentaren gegen dich auf jeden Fall mit einer Vertrauensperson!