22.000 User durch AGBs zum Kloputzen verpflichtet

Es klingt absurd, aber es stimmt: 22.000 Menschen haben sich freiwillig zu gemeinnütziger Arbeit verpflichtet, darunter auch das Putzen von ekligen Festival-Klos. Der britische Hotspot-Anbieter Purple wollte mit der Aktion auf das Thema Nutzungsbedingungen aufmerksam machen.

 

Eigentlich hatte der Dienst vor, seine Nutzungsbedingungen zu entschlacken – aus über 1600 Wörtern wurden 260. Da sind aber immer noch viele, die kaum jemand komplett lesen wird. Um das zu beweisen, hat Purple eine Klausel eingeführt, die ihre Nutzer zu 1000 Stunden „Community Service“, also gemeinnütziger Arbeit verpflichtet. Purple könnte damit seine Nutzer dazu bringen, Hundekot aus Parks zu entfernen, Kaugummi von der Straße zu kratzen oder eben Festival-Klos zu reinigen. Außerdem sah die Klausel vor, dass die Nutzer streunende Hunde und Katzen streicheln oder Schneckenhäuser anmalen sollten. Natürlich wird Purple die User nicht zu dem Arbeitsdienst zwingen (es ist auch fraglich, ob das rechtlich möglich wäre), aber die Aktion zeigt eines sehr gut: So gut wie niemand liest die AGBs oder Nutzungsbedingungen. Lediglich eine einzige Person hat sich während des zweiwöchigen Tests bei Purple wegen der merkwürdigen Klausel gemeldet.

 

Purple ist mit seinen merkwürdigen Klauseln in den AGBs aber nicht alleine. 2014 hatte die Sicherheitsfirma F-Secure ein WLAN in London aufgemacht, für dessen Benutzung das erstgeborene Kind abgegeben werden sollte – sechs Leute stimmten trotzdem zu. Abgesehen von solchen „verrückten“ Klauseln gibt es jedoch viele AGBs/EULAs (End User License Agreement) oder Nutzungsbedingungen, deren Inhalt eher abstrus wirkt. So halten sich viele Dienste, bei denen man Fotos hochladen kann, sich das Recht vor, die Fotos selbst zu nutzen oder gar an Dritte zu verkaufen – ohne dass der Nutzer etwas am Verkaufsgewinn beteiligt wird. Andere Dienste lassen es gar nicht zu, dass man sie verlässt: Oft ist es unmöglich, den eigenen Account zu wirklich zu löschen. In anderen EULAs steht wiederum, dass man sein Recht, gegen die Firma zu klagen, aufgibt. Diese Dinge weiß kaum jemand, und das ist auch kein Wunder: Viele EULAs sind sehr lang, in kleiner Schriftgröße verfasst und/oder man hat durch Großbuchstaben das GEFÜHL, ANGESCHRIEN ZU WERDEN. Zudem ist die Sprache oft mit juristischen Fachausdrücken bespickt und oftmals ist der Text nur auf Englisch verfügbar. In diesem Guardian-Artikel beschreibt ein Autor, wie er sich durch die EULAs populärer Dienste gekämpft und was er dabei herausgefunden hat.

 

Muss ich nun jede EULA komplett durchlesen?

Wenn Sie jetzt Angst haben, sich auch – ohne ihr Wissen – freiwillig zum Kloputzen gemeldet zu haben, können wir Sie beruhigen. Aber nur ein wenig, denn auch die „ernsten“ EULAs stecken wie oben beschrieben oft voller unerwarteter Fallstricke. Zum Glück gibt es Abhilfe. Einerseits können Sie mehr zum Thema EULA in der Cloud bei BEE SECURE lesen und sich das entsprechende Factsheet herunterladen, andererseits gibt es Webseiten, auf denen Menschen die juristischen Texte in verständlicher Sprache zusammenfassen und erklären. Eine heißt zum Beispiel tldrlegal.com und erklärt alle möglichen Lizenz-Texte in einfach verständlicher Sprache, immer mit dem Originaltext zum Vergleich. Hier finden Sie zum Beispiel die Analyse der Facebook Terms of Service. Grundsätzlich lohnt es sich immer, ein wenig Recherche über die Inhalte der EULA zu machen, bevor man sich bei einem neuen Dienst anmeldet.

 

Quellen:

heise.de: 22.000 Hotspot-Nutzer willigen ins Toilettenputzen ein

purple.ai 22,000 people willingly agree to community service in return for free WiFi