Cayla: Spielzeug oder Spionagegerät? Smarte Puppe Cayla in Deutschland verboten

Es klingt wie aus einem schlechten Agentenfilm: Eine Puppe im Kinderzimmer, die in Wirklichkeit eine Abhörwanze, also ein Spionagewerkzeug sein soll? Leider ist das Szenario nicht ganz Fiktion, sondern nah an der momentan Realität. Zumindest sieht das die deutsche Bundesnetzagentur so. Die hat die Puppe „My friend Cayla“ nach dem Paragrafen 90 des deutschen Telekommunikationsgesetztes verboten, weil sie über eine Funkanlage und Mikrofon verfügt und damit eine als Puppe getarnte Abhöranlage darstellt.

So heisst es auf der Internetseite der Bundesnetzagentur: "Gegenstände müssen ihrer Form nach einen anderen Gegenstand vortäuschen oder als Gegenstände des täglichen Gebrauchs verkleidet sein und auf Grund dieser Umstände oder auf Grund ihrer Funktionsweise geeignet sein, das nicht öffentlich gesprochene Wort eines anderen von diesem unbemerkt abzuhören oder das Bild eines anderen von diesem unbemerkt aufzunehmen. Dies gilt auch für individuell hergestellte Geräte."

 Cayla ist eine der ersten „smarten“ Puppen, die sich mit dem Internet verbinden und sprechen können. Damit die Puppe antworten kann, muss sie jedoch auch zuhören können – und hier liegt das Problem. Es ist nicht immer ersichtlich, wann die Puppe Sprachaufnahmen tätigt. Außerdem ist es potentiell möglich, die ungesicherte Bluetooth-Verbindung zwischen Smartphone und Puppe abzuhören. Cayla hat außerdem keine Sicherheitsmechanismen wie z.B. die Möglichkeit, ein Passwort zu setzen.

Die ganze Geschichte ins Rollen gebracht hat Stefan Hessel, ein Jurastudent aus dem Saarland, der eher zufällig herausgefunden hat, dass Cayla gegen das deutsche Telekommunikationgesetz verstößt. Was ist der Unterschied zu anderem „smarten“ Spielzeug? Die smarte „Hello Barbie“ nimmt zum Beispiel nur dann Ton auf, wenn ein Knopf gedrückt wird. Grundsätzlich sind viele vernetzte Geräte, die zum sogenannten „Internet of Things“ gehören, aus der Sicht des Datenschutzes und der Konsumentenrechte problematisch. Die Bundesnetzagentur hat angekündigt, noch mehr interaktives Spielzeug auf den Prüfstand stellen und wenn nötig dagegen vorgehen. Hierbei müssen immer die Voraussetzungen des § 90 TKG gegeben sein.

Weitere Informationen rund um das Thema "Internet of Things" finden sie auf der BEE SECURE-Webseite in der Kategorie „Internet of Things“. Auch wenn „Cayla“ in Luxemburg (noch?) nicht verboten ist, so empfiehlt BEE SECURE vor dem Kauf von smartem Spielzeug die Lektüre unseres Dossiers zum Thema „Smart Toys“.

 

Quellen:

https://www.bundesnetzagentur.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2017/1...

http://www.jurpc.de/jurpc/show?id=20170013#fn10

https://www.heise.de/newsticker/meldung/Versteckte-Spionage-Spielzeug-Pu...

https://www.heise.de/newsticker/meldung/My-Friend-Cayla-Verbraucherschue...