Digitale Assistenten: Viele Fragen zu Datenschutz und Sicherheit

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Eigentlich klingt die Geschichte sehr absurd, aber sie ist wirklich passiert: Ein Nachrichtensprecher hat in den USA dafür gesorgt, dass sich zig Menschen – ohne das wirklich zu wollen – Puppenhäuser bestellt haben. Schuld an der ganzen Geschichte war der digitale Assistent „Amazon Alexa“, der in Form des Amazon Echo-Gerätes schon in vielen Wohnungen in den USA steht. Eine Reportage behandelte den Fall eines kleines Mädchen, das sich mit dem Gerät hinter dem Rücken seiner Eltern ein Puppenhaus und Kekse bestellt hatte. Der Nachrichtensprecher war sichtlich begeistert und sagte „Ich liebe es, wie das Mädchen sagt ‚Alexa hat mir ein Puppenhaus bestellt!‘“. Die Echo-Geräte lauschen nach Befehlen, sobald jemand „Alexa“ sagt – deswegen hat der Nachrichtensprecher für sehr viele Bestellungen bei Amazon gesorgt.

Neben Alexa von Amazon gibt es noch andere digitale Assistenten: Siri von Apple, Cortana von Microsoft und Assistant von Google. Während Siri und Cortana bisher nur am Computer und Smartphone verfügbar sind, gibt es Alexa und Assistant schon als kleine Geräte mit Mikros und Lautsprechern, die in der Wohnung aufgestellt werden können. Es ist allerdings damit zu rechnen, dass Apple und Microsoft – und vermutlich auch andere Hersteller – nachziehen werden. Die kleinen Boxen sind immer online und hören jederzeit zu. Es ist möglich, per Sprachkommando Musik abzuspielen, den Wecker zu stellen, sich Nachrichten vorlesen zu lassen, Smart-Home-Geräte zu steuern, und – zumindest mit Amazon Echo – online auf Amazon einzukaufen. In Europa gibt es das Gerät bisher nur auf einer Warteliste, aber es ist damit zu rechnen, dass digitale Assistenten 2017 auch den europäischen Markt erobern werden.

Wer jetzt schon mit dem Gedanken spielt, sich ein solches Gerät anzuschaffen, sollte sich vor dem Kauf jedoch gut überlegen, ob er wirklich einen digitalen Assistenten braucht. Nicht nur, weil die eigenen Kinder möglicherweise heimlich Kekse bestellen, sondern vor allem aus Datenschutz-Gründen. Im Amazon Echo sind sieben Mikrofone verbaut, die jedes Sprachkommando hören sollen. Allerdings haben die User keine Kontrolle darüber, was das Gerät aufnimmt und beispielsweise zu Testzwecken an Amazon schickt. Auch für Bürgerrechte stellen sich komplizierte Fragen, wenn zum Beispiel die Polizei die Aufnahmen eines Alex-Gerätes konfisziert, um ein Verbrechen aufzuklären. Im Normalfall wäre für einen solchen „Lauschangriff“ nämlich im Vorfeld ein richterlicher Beschluss nötig.

Jetzt schon gibt es eine ganze Reihe Forderungen, wie zukünftige Assistenten aussehen könnten, um die Privatsphäre der Nutzer nicht zu stark einzuschränken. Zum Beispiel könnte es möglich sein, mit einem Schalter am Gerät die Mikrofone auszuschalten, wenn das Gerät gerade nicht gebraucht wird. Bis die Hersteller auf solche Forderungen reagieren oder sogar Gesetze geschrieben werden, die digitale Assistenten reglementieren, ist von den Geräten eher abzuraten. Auf jeden Fall sollte man sich den Einsatz gut überlegen und das Gerät mit einem Kippschalter verbinden, um es schnell ein- und ausschalten zu können. So kann auch niemand heimlich Kekse bestellen.

 

 

Quellen:

https://www.heise.de/newsticker/meldung/Amazon-Echo-Nachrichtensprecher-loest-Massenbestellung-aus-3591039.html?wt_mc=rss.ho.beitrag.rdf

https://www.aclu.org/blog/free-future/privacy-threat-always-microphones-amazon-echo

https://www.amazon.de/dp/B01GAGVCUY/ref=fs_dop

http://www.businessinsider.de/amazon-echo-google-home-microsoft-cortana-apple-siri-2017-1?r=US&IR=T

https://www.theguardian.com/media-network/2016/nov/21/siri-echo-google-home-digital-assistants-future-office