E-Dating - Ratschläge für Eltern und Erwachsene

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Dating-Webseiten sind in der heutigen Internet-landschaft längst keine Seltenheit mehr; Einer aktuellen Studie der IFOP über die Nutzung von entsprechenden Seiten vom Mai 2015 zufolge wachsen Markt und Nutzerzahlen rapide. Der Gebrauch dieser Websites hat sich in den vergangenen Jahren normalisiert und ist bei der Partnersuche längst seinem Stigma entwachsen.

Singles nutzen zuletzt jedoch auch verstärkt einfacher gestrickte Smartphone-Apps, die den gewöhnlich großen Berg an Informationen zur Person auf einen einfach Faktor reduzieren: Ein Profilfoto. Millionen Nutzer tummeln sich derzeit in den Listen von Diensten wie Badoo, HotOrNot oder Tinder. Deshalb gilt: Derartige apps sollten mit der nötigen Vorsicht genutzt und wahr genommen werden.

Mit der Ausnahme von Badoo öffnen alle Portale ihre Türen bereits für Nutzer im Alter von dreizehn Jahren und ermöglichen ihnen so den Austausch mit anderen Nutzern bis zum Alter von siebzehn Jahren - für Eltern interessierter Jugendlicher wäre es daher ratsam, sich eingehend mit den installierten Apps auf den Smartphones ihrer Kinder auseinander zu setzen, um bestmöglich über Auswirkungen und Kehrseiten dieser Anwendungen Bescheid zu wissen.

Gamification: Sozialer Umgang und Selbstwert als Spiel

Tinder, HotOrNot und Co. machen aus Selbstwertgefühl und der Zufriedenheit mit dem eigenen Körper ein gefährliches Spiel, das sich am ehesten als „Gamification“ beschreiben lässt: Der Prozess der Suche nach einem Chatpartner oder einem neuen Freund wird auf den einfachsten gemeinen Nenner des guten Aussehens reduziert. Menschlicher Umgang und Beziehungen werden auf diese Weise zu einem binären Spiel mit Entscheidungen in Sekundenschnelle gemacht: Die Wahl potenzieller Chatpartner wird auf Wischgesten oder das Drücken bunter Knöpfe reduziert, um das Spiel möglichst schnell, sorglos und einfach zu machen. Häufige Belohnungen, etwa für das Ausfüllen persönlicher Informationen oder für die positive Bewertung von hundert Profilen, sollen das Interesse halten und ein Gefühl von Erfolg auslösen, um den User bei der Stange zu halten.

HotOrNot spricht es sogar ganz unverblümt an, indem es den User direkt dazu auffordert:

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Selbstwertgefühl, Körperakzeptanz und der Respekt vor anderen sind kein Spiel!

 

Hypersexualisation

Die Apps laden den Nutzer dazu ein, andere Menschen aufgrund ihres Aussehens zu bewerten. Die Haupt-„Währung“ in diesen Anwendungen sind daher Bilder, die den Nutzer selbst zeigen: Wer mehr andere Profile sehen will ohne zu zahlen, der muss immer mehr Fotos von sich selbst schießen und hochladen. Da es ausserdem um das Erregen von Aufmerksamkeit geht, entsteht ein Problem von Hypersexualisierung: Junge Menschen könnten sich dazu entschließen, sich selbst in suggestiven Posen zu fotografieren, um möglichst viele Komplimente zu erhalten – ohne sich dabei bewusst zu sein, dass dieses Verhalten ihren Ruf nachhaltig schädigen könnte, denn alle Fotos sind direkt mit ihrem (Facebook-)Profil und einem Namen verbunden.

Die Sucht nach Bestätigung

Weil eine positive Bewertung auf diesen Apps einem Jugendlichen ein erhöhtes positives Selbstwertgefühl vermitteln kann könnte es zu einer Art Abhängigkeit führen: Indem durch die Nutzung das eigene Ego immer wieder aufgepäppelt wird kann eine verstärkte Nutzung zu einem ähnlichen Gewohnheitsverhalten wie im Umgang mit anderen sozialen Medien führen.

Cyberbullying

Auf Sozialen Platformen stellt sich stets das Problem des Cybermobbings – umso mehr, da Anwendungen wie Badoo, HotOrNot oder Tinder sich derart stark auf das Äussere konzentrieren. Unsichere Mitglieder könnten dadurch ein Opfer von Erniedrigung, Belästigung oder Schikanierung via Chat- oder SMS-Nachrichten werden.

Für mehr Informationen raten wir zu unserem Dossier auf: Cybermobbing

 

Ausserdem ist es möglich, sich einem Mobbing-Mob an zu schließen und gemeinsam gezielt gegen andere Nutzer vor zu gehen. Während es Block-, Report- und Moderationsfunktionen gibt könnten unerfahrene Nutzer durchaus Opfer derartiger Attacken werden und nicht wissen, wie man reagieren soll.

 

Der Problemfall der Mikrotransaktionen und der monatlichen Kostenbindung

Wie andere Mobile-Apps nutzen Tinder und Co. Auch ein Freemium-System: Der Zugang und die App selbst sind grundsätzlich gratis und werbefrei, zusätzliche (Komfort-)Optionen lassen sich aber nur über Mikrotransaktionen bewerkstelligen. Während Tinder etwa einen „Plus“-Plan für einen monatlichen Festbetrag anbietet, bietet Badoo ein System an „Superkräften“, die etwa über SMS-Kosten abgebucht werden können. Leider rechnen sich selbst die kleinsten Teilbeträge über die Zeit zu großen Kosten zusammen – ein Problem, weil sich Systeme wie der Google Store oder der iTunes-Store mittlerweile nahtlos mit Zahlungsmethoden verbinden lassen und eine Zahlung so nur einen kleinen Knopfdruck entfernt ist.

 

Geolokalisierung

Ein wesentlicher Bestandteil des Umgangs mit Apps wie Tinder und Co. Ist die Beschränkung der Suche auf potenzielle Kontakte in Nähe zum Nutzer – das setzt daher eine Geolokalisierung durch GPS-Sensoren in Smartphones und Tablets voraus. Da bei jedem Besuch des Profils die momentane Position eine Rolle spielt, könnten im Verlauf von drei Monaten in manchen Fällen fast 150.000 Anfragen zur eigenen Position einlaufen.

Weil die eigene Position permanent aktualisiert wird wäre es daher möglich, dass ein Jugendlicher von einem Verehrer gestalkt werden könnte.

Wer mehr zu dem Thema erfahren möchte sollte sich unser Dossier zum E-Dating ansehen.

Wer problematische Inhalte auf diesen oder ähnlichen Webseiten und Anwendungen melden will, kann dies unter unserer Hotline. Für weitere Fragen stehen wir auf der BEE SECURE Helpline zur Verfügung.