Gibt es Ethik beim Programmieren?

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Computer werden oft als „neutral“ wahrgenommen – dabei kann Programmcode moralisch oder unmoralisch sein.

Ein aktuelles Beispiel für unmoralischen Code, der sofort jedem einleuchten wird, ist die Umgehung von Abgaswerten durch ein sogenanntes „Cheat-Device“ (Mogelgerät) bei verschiedenen Automobilherstellern. Hier waren nicht nur Ingenieure, sondern auch Programmierer beteiligt, um ein Gesetz zu umgehen. Das ist aber definitiv nicht der einzige Anwendungsfall, bei dem die ethisches Programmieren eine Rolle spielt – jede Malware wie Viren, Trojaner, usw. kann nur entstehen, wenn der Programmierer seine Moral links liegen lässt.

Eins der ersten Beispiele eines ethischen Codex, nach dem sich Computer und ihre Entwickler richten sollen, sind die drei Gesetze der Robotik des russisch-amerikanischen Science Fiction-Autors Isaac Asimov. Sie lauten wie folgt:

  1. Ein Roboter darf kein menschliches Wesen verletzen oder durch Untätigkeit zulassen, dass einem menschlichen Wesen Schaden zugefügt wird.
  2. Ein Roboter muss den ihm von einem Menschen gegebenen Befehlen gehorchen – es sei denn, ein solcher Befehl würde mit Regel eins kollidieren.
  3. Ein Roboter muss seine Existenz beschützen, solange dieser Schutz nicht mit Regel eins oder zwei kollidiert.

Die Gesetze tauchen zuerst in einer Kurzgeschichte aus dem Jahr 1942 auf. Interessanterweise denken zur gleichen Zeit Menschen über die ethischen Grundsätze des Programmierens nach, zum Beispiel der Mathematikprofessor Nobert Wiener. Er schrieb zwischen 1948 und 1963 drei Bücher zum Thema Ethik und Computer. Darin beschrieb er Beispiele von möglichen ethischen und sozialen Implikationen der sich gerade erst entwickelnden Informatik.

2013 hat die „Association for Comupting Machinery“, die weltweit größte Gesellschaft für Information in Wissenschaft und Bildung, einen eigenen Ethik-Code für Programmierer herausgegeben, der auch bei der Ausbildung von Informatikern vermittelt wird. Allerdings muss man dabei beachten, dass nicht wenige Softwareentwickler sich diese Fähigkeit selbst beigebracht haben.

Die Regeln lauten wie folgt:

  • Sich vergewissern, dass Software sicher ist. Das heißt, dass es nicht reicht, wenn ein Programm das macht, was von ihm erwartet wird – es muss dies auch sicher tun, so dass keine Daten gestohlen werden können.
  • Verantwortung für die eigene Arbeit übernehmen. Programmierer müssen sich verantwortlich fühlen, wenn ihre Programme Fehler haben und diese beheben.
  • Nicht wissentlich illegal oder auf unethische Art und Weise erworbene Software zur Grundlage der eigenen Arbeit benutzen.
  • Mögliche ethische, ökonomische, kulturelle, legale und ökologische Probleme, die die eigene Software verursachen könnte, identifizieren und versuchen, sie so weit wie möglich zu beseitigen.
  • Die Spezifikationen der Software sollen den Anforderungen der Nutzer genügen.
  • Software soll getestet und Bugs sollten entfernt werden, bevor das Programm zur Verfügung gestellt wird.
  • Keine illegalen finanziellen Bereicherungen. Programmierer sollten auf keinen Fall in Versuchung geraten, sich bestechen zu lassen oder anderen zu helfen, sich unrechtmäßig zu berreichern.
  • Ständige Weiterbildung. Programmierer sollten sich ständig weiterbilden, um bessere Software zu entwickeln und den neusten Malware-Trends etwas entgegensetzen zu können.

Neben diesen offiziellen Regeln gibt es viele Bereiche, die Programmierer beachten sollten: Wenn ich künstliche Intelligenz mittels Deep Learning trainiere, übernimmt das Programm unbewusst meine (unbewussten) Vorurteile? Zwinge ich Nutzer dazu, sich bezüglich ihrere sexuellen Neigung(en) zu outen, wenn sie gewisse Daten eingeben müssen? Bedroht mein lockerer Umgang mit Daten eventuell sogar das Leben mancher Nutzer, die vielleicht in einer Diktatur leben? Viele dieser Fragen (und die Antworten darauf) haben weitreichende Konsequenzen. Umso wichtiger also, dass sich Programmierer in ihrer Ausbildung und in ihrem Beruf mit Ethik auseinandersetzen.

 

Quellen:

Bild: pixabay.com