Kinder-Influencer auf YouTube – ein umstrittenes Erfolgsmodell

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Die Videoplattform YouTube ist aus dem Internet kaum noch wegzudenken. Jeden Tag besuchen Milliarden User das Videoportal und lassen sich von den dargebotenen Inhalten unterhalten. Viele YouTuber mit hoher Reichweite nutzen dabei ihre Talente, um Produkte zu vermarkten. Auch Kinder vermarkten auf YouTube erfolgreich Produkte. Diese Praxis stößt dabei mitunter auf harsche Kritik. BEE SECURE beleuchtet im Artikel das Wirken der sogenannten „Kidfluencer“.

Kidfluencer

Eine dieser Kidfluencer ist Miley. Miley ist neun Jahre alt, lebt in Deutschland und über 720.000 Menschen verfolgen fast täglich die teils intimen Einblicke in ihr Leben, welche sie auf YouTube und Instagram preisgibt. Die Inhalte ihrer Videos sind dabei einerseits dem normalen Leben von Kindern nachempfunden: Miley spielt mit Knete, hört Bibi-Blocksberg-Hörspiele und feiert Kindergeburtstag; andererseits folgt es den bewährten Mustern erwachsener YouTuber, etwa wenn Miley ihre Mutter „prankt“, sich mit ihr also einen Spaß erlaubt und dies von einer Kamera filmen lässt. Ebenso, wie ihre erwachsenen Kollegen nutzt Miley ihre Reichweite, um gezielt Produkte zu vermarkten. So wirbt Miley bspw. für die Knete „Play-Doh“, während sie mit ihrem älteren Bruder eine „Play-Doh Knetmasse Challenge“ veranstaltet. Während Miley jedoch als junges Werbegesicht für diverse Firmen auftritt, sind es ihre Eltern, die den YouTube-Account verwalten und die Produktplatzierungen planen. Mileys Eltern haben in einem Interview mit „Zeit Online“ angegeben, dass sie sogar ihren Beruf aufgegeben haben, weil sie mit dem YouTube-Account ihrer Tochter bereits genug verdienen.

Miley zählt zu den erfolgreichsten Kinderinfluencern. Etwa 30.000 solcher Youtuber gibt es mittlerweile in Deutschland. Ihre Fans stammen nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus Frankreich, Österreich, der Schweiz und aus Luxemburg. In Luxemburg ist die Zahl der „Kidfluencer“ noch gering, doch luxemburgische Kinder und Jugendliche orientieren sich ohnehin, dank ihres Sprachvermögens, auch an französischen, englischen oder deutschen Influencern.

Werbung bei YouTube

Die ursprünglich unter dem Motto „Broadcast yourself“ (etwa: übertrag dich selbst) vermarktete Videoplattform YouTube spielt in den letzten Jahren eine immer größere Rolle in der Werbestrategie von Unternehmen. Dies ist durch mehrere Faktoren erklärbar: Die YouTuber agieren eng mit ihren Fans, gelten sogar, insbesondere bei jüngeren Zuschauern, als Vorbilder. Ihre große Reichweite hilft den YouTubern zudem, ihre Inhalte und Formate einem großen Publikum zu präsentieren. All dies sind Eigenschaften, die Firmen mit ihren Produkten in Verbindung bringen wollen, weswegen sie YouTubern oft Geld für eine Produktplatzierung bezahlen. Im Unterschied zu z.B. Fernsehwerbung, die für Zuschauer leichter als Werbung zu erkennen ist, ist das Werben bei YouTube oft intransparenter, da die Werbung– insbesondere von Kindern – oft nicht als solche erkannt wird. Dies führte in der Vergangenheit in Deutschland immer wieder zu Gerichtsprozessen, bei denen den YouTubern etwa Schleichwerbung vorgeworfen wurde – und letztendlich zu einer Verschärfung der Gesetzeslage. So entschied das Oberlandesgericht Celle, dass die Werbung deutlich zu Beginn des Beitrages als solche ausgewiesen werden muss (In diesem BEE SECURE Artikel wird noch einmal genauer auf das Thema Schleichwerbung eingegangen). Während jedoch volljährige YouTuber rechtlich dazu befugt sind, mit Firmen Werbeverträge einzugehen, sind es im Falle der Kidfluencer die Eltern, die mit Firmen in Verhandlung treten.

Kinder als YouTube-Stars – ein kontroverses Thema

Kinder und Jugendliche, die bei YouTube Videos hochladen, sind für viele Firmen deshalb besonders wertvoll, weil sie die Möglichkeit bieten, Gleichaltrigen Produkte zu präsentieren, die gezielt auf sie zugeschnitten sind. Vor allem das Alter und die gemeinsamen Interessen tragen dazu bei, dass sich die Kinder mit den jungen Influencern identifizieren und diese als Vorbilder ansehen. Demzufolge versuchen die jungen Zuschauer ihnen nach zu eifern indem sie bzw. dieselben Marken tragen und besitzen möchten. Dabei gilt jedoch weiterhin: Direkte Kaufapelle an Kinder zu richten ist nach einem Urteil des Bundesgerichthofs vom 17.07.2013 in Deutschland nach §6 JMStV verboten, wie der Präsident der Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg (LFK) Wolfgang Kreißig klarstellt. Dementsprechend werden viele der beworbenen Produkte lediglich vorgestellt und dann per „Affiliate-Links“ in die Video-Beschreibung gesetzt. Bei einem „Affiliate-Link“ handelt es sich um einen Link zu einem bestimmten Produkt. Wenn ein Interessent das Produkt nach einem Klick auf den Link kauft, erhält der Ersteller des Links eine Provision.

Kritiker, wie der Professor für Medienpädagogik Roland Rosenstock, werfen dabei die Frage auf, inwieweit die Kinder von ihren Eltern instrumentalisiert werden, um Werbung für Produkte zu machen. In einem Interview mit DeutschlandFunk.de kritisiert er, dass Kinder, wie die eingangs erwähnte Miley, ein Recht auf eine normale Kindheit haben. Er sieht dieses „normale“ Aufwachsen durch die vielen Einblicke in Mileys Privatsphäre bedroht.

YouTube – eine kindersichere Plattform?

Obwohl sich viele Videoformate auf YouTube an Kinder richten, ist YouTube per se keine sichere Plattform für Kinder. Trotz der Tatsache, dass YouTube mit einer integrierten Kindersicherung arbeitet, die vor gewaltverherrlichenden oder anderweitig unangemessenen Inhalten eine Altersabfrage leistet, ist diese sehr leicht zu umgehen, indem bei der erstmaligen Registrierung schlicht ein höheres Alter angegeben wird. Hinzu kommt, dass die Plattform nicht immer erkennt, ob Inhalte für Kinder angemessen sind oder nicht. Auch die App namens YouTubeKids versucht mit Hilfe von künstlicher Intelligenz und menschlichen Helfern die für Kinder unangemessenen Inhalte heraus zu filtern. Doch auch diese App bietet keinen vollkommenen Schutz. Ein weiteres Problem ist die bereits erwähnte Intransparenz der Werbemaßnahmen auf YouTube, die von vielen Kinder nicht als solche erkannt werden.

BEE SECURE rät Eltern ihre Kinder sowohl bei der Nutzung von YouTube wie auch bei YouTubeKids zu begleiten. Reden Sie mit ihrem Kind über die Videos, die es auf Youtube schaut und klären sie es darüber auf, dass es neben den vielen kindgerechten Inhalten auch viel auf der Seite gibt, dass es sich nicht ansehen sollten. Weitere Tipps finden Sie in folgendem Artikel:  „Warum YouTube auch sonst noch nicht als Babysitter verwendet sollte, darauf geht BEE SECURE in folgendem Artikel nochmals ein.Bei Fragen können Sie sich auch immer an die BEE SECURE HELPLINE wenden.

 

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Quellen: klicksafe.de, Süddeutsche.de, Deutschlandfunk.de, Spiegel.de, Zeit.de, Swr.de