Stundenlanges Computerspielen: ein systematisches Anzeichen für Abhängigkeit?

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Ob am Computer, auf dem Smartphone oder auf der Spielekonsole, Kinder spielen immer mehr an Bildschirmen. Die meisten Eltern sind angesichts dieser mit Spielen verbrachten Zeit beunruhigt. Manche sehen darin sogar ein Anzeichen für Videospielsucht. Aber handelt es sich hierbei wirklich um ein ausreichendes Kriterium, um von Abhängigkeit zu sprechen? BEE SECURE hat sich mit dieser Frage beschäftigt.

Kann man videospielabhängig werden?

In den letzten Jahren haben sich Videospiele und ihre Plattformen stark weiterentwickelt. So hat sich die Zeit, die mit Spielen verbracht wird, beträchtlich erhöht, insbesondere bei den Unter-30-Jährigen. Daher ist die Frage nach dem Suchtrisiko von Videospielen berechtigt.

Die WHO (Weltgesundheitsorganisation) definiert Abhängigkeit als ein Verhalten, bei dem die Nutzung einer Substanz zur Aufgabe anderer Aktivitäten führt. Mit anderen Worten: Abhängigkeit ist eine Krankheit, die jemanden davon abhält, den Konsum eines Produktes zu kontrollieren. Er ist somit ständig auf der Suche nach der Aktivität oder dem Produkt, nach dem er einen Bedarf verspürt. Dies hat Folgen für sein Leben und seine Gesundheit: Es kann sich zum Beispiel um den Verlust aller sozialer Kontakte handeln.

Angesichts der großen Rolle, die Videospiele heute im Alltag der Kinder spielen, hat die WHO ihre Definition der Abhängigkeit um die Angabe „Videospielsucht“ ergänzt. Die Organisation erkennt also die süchtig machende Art an, die diese Spiele auf das Verhalten einer Person haben können. Manche Betroffene verlieren jegliche Interessen und widmen sich nur noch Online-Spielen.

Viel Zeit vor dem Bildschirm bedeutet nicht gleich Sucht

Auch wenn es also möglich ist, videospielabhängig zu werden, sind in der Praxis nur wenige Personen (Kinder oder Erwachsene) wirklich davon betroffen. Die vor dem Bildschirm verbrachte Zeit hat sich zwar erhöht, doch Psychologen sprechen eher von Missbrauch als von Sucht.

Heute verbringen Kinder und Jugendliche viel mehr Zeit vor dem Computer als noch vor zehn oder zwanzig Jahren. Doch das Phänomen hängt mit ihrer Generation zusammen: Sie werden in eine Welt hinein geboren, in der Bildschirme große Wichtigkeit erlangt haben. Sie sind schon in einem viel früheren Alter dem Fernseher, dem Tablet oder dem Smartphone ausgesetzt. Zudem sehen diese Kinder, wie ihr Umfeld, darunter auch die Eltern, diese Bildschirme regelmäßig benutzt. Für sie ist die Nutzung von Computern oder Telefonen etwas ganz Natürliches.

Die Besorgnis der Eltern angesichts dieser übermäßigen Nutzung ist somit vor allem ein Generationsproblem. Da sie nicht mit diesen Technologien aufgewachsen sind, haben sie nicht so viel Videospiele gespielt. Es handelt sich also um eine Form des Unverständnisses von Seiten der Eltern, die nur schwer begreifen können, wie wichtig Videospiele für ihre Kinder sein können. Sie verstehen nicht, aus welchen Gründen ein Kind (oder ein Jugendlicher) mehrere Stunden pro Woche vor einem Bildschirm spielt.

Wie erkennt man Videospielsucht?

Im Falle einer Abhängigkeit kann das Kind seine Spielzeit nicht mehr kontrollieren und es spielt auch auf Kosten von anderen Aktivitäten. So kann es sein, dass es nachts aufsteht, um eine Partie zu verlängern, und dabei jegliches Zeitgefühl verliert. Es kann völlig vom Spiel vereinnahmt sein, so sehr, dass seine schulischen Leistungen abnehmen und es Stück für Stück alle anderen Aktivitäten aufgibt. In besonders schlimmen Fällen kann es sogar dazu führen, dass es die Schule aufgibt.

Eindeutige Kriterien, ab wann man von Sucht sprechen kann, sind die folgenden: Das Kind bricht alle sozialen Kontakte im echten Leben ab. Seine Beziehungen zu Freunden sowie zur Familie schwinden. Jugendliche können regelrecht isoliert sein und das Gefühl „allein gegen alle“ hegen. Und die abhängige Person, die ein hohes Spielbedürfnis empfindet, kann sich besonders traurig, ängstlich oder sogar aggressiv zeigen, wenn man ihr das Spiel verweigert.

Gemeinsam eine Spieldauer festlegen

BEE SECURE rät Ihnen dazu, mit Ihren Kindern eine "Bildschirmzeit" zu vereinbaren, das heißt die Zeit, die sie pro Tag mit Spielen oder Fernsehen verbringen dürfen. Letztere muss an das Alter des Kindes angepasst sein, aber auch an die Schulzeit. Es ist zudem notwendig, festzulegen, an welchen Momenten des Tages ein Kind am Computer oder an der Konsole spielen kann.

Die Eltern sollten sich auch für die Spiele ihrer Kinder interessieren. So können sie den Inhalt des Spiels prüfen (ist er altersgemäß?), aber auch besser verstehen, welches Interesse das Kind daran hat. Außerdem können die Eltern ihren Kindern auch Videospiele vorschlagen.

Es gibt keine ideale Zeitbegrenzung. Anstatt eine Dauer in Stunden oder Minuten festzulegen, ist es besser, die Anzahl an Partien für das Kind zu begrenzen. So lässt sich Frustration vorbeugen, wenn das Spiel abrupt unterbrochen wird, als das Kind gerade dabei war zu gewinnen.

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Quellen: France Culture, Institut fédératif des addictions comportementales, PédaGoJeux.fr / Foto: Pixabay.com