Porno ... und andere Formen von Nacktsein im Netz

Sex sells – online wie offline. Mit dem Entstehen des World Wide Web in den frühen 1990er Jahren wurde das Internet für jedermann zugänglich und Online-Pornografie zum Massenmedium. Inhalte, für die man früher in den Sexshop musste, oder in den Erwachsenenbereich einer Videothek, sind heute nur einen Mausklick entfernt. Oder zwei, wenn man an der „Altersbarriere“ vorbei möchte…

Pornografie im heutigen Internet

Wer Pornografie im Internet sucht, wird schnell fündig: Porno, Sex oder XXX reichen als Eingabe aus, um mit jeder gängigen Suchmaschine unzählige Treffer zu landen. Auch wer nicht explizit danach fahndet, riskiert bei einer ungefilterten Internetverbindung, mit Pornografie konfrontiert zu werden. Zum Beispiel durch Popups mit erotischem Inhalt, E-Mail-Werbung oder durch zweideutige Schlagwortsuchen. Alleine aus diesem Grund ist es wichtig, bei Kindern unter 12 Jahren Kinderschutzprogramme zu benutzen.

In der Pubertät wird die Neugierde auf Sexualität geweckt. Die Tatsache, dass Pornografie ein Aspekt davon ist, verwundert nicht im Hinblick auf die stark ausgeprägte Sexualisierung von Jugendlichen in Medien und Gesellschaft. Die BEE SECURE Trainer besuchen jedes Jahr weit über 600 Schulklassen in Luxemburg und bestätigen einen aktuellen Trend: In der siebten Klasse, also im Alter von 12-13 Jahren, haben alle Kinder bereits Kontakt mit pornografischen Inhalten gehabt, freiwillig oder unfreiwillig.

Was den Pornokonsum von Erwachsenen angeht, so variieren die Resultate diverser internationaler Studien sehr stark. Tatsache ist: Pornografie ist kein Tabuthema mehr, sondern eine wachsende Industrie, die ihren Platz in unserer Gesellschaft gefunden hat. Doch auch wenn die Zielgruppe theoretisch eine erwachsene, sexuell erfahrene ist, so gibt es doch auch viele minderjährige Pornokonsumenten. Grund genug, sich etwas genauer mit dem Thema auseinanderzusetzen.

Was sagt das luxemburgische Gesetz?

Der Besitz von Pornos ist an sich nicht verboten. Vorausgesetzt, es waren keine Minderjährige an der Produktion der Inhalte beteiligt. Besitz und Verbreitung von kinderpornografischem Material sind verboten und werden von der Justiz streng geahndet.

Verboten ist laut Gesetz auch der Verkauf, bzw. die Verteilung von Pornografie an Minderjährige. Eine strenge Alterskontrolle wird aber auf den wenigsten einschlägigen Webseiten vollzogen: Ein Button der bestätigt, dass man über 18 ist, ist oft die einzige „Kontrolle“ im Internet.

Was ist problematisch an Pornos?

Pornos sind Fake

Pornos stellen nicht die Realität dar, sondern ein unrealistisches Bild, dessen Zweck die Luststeigerung beim Betrachter ist.

Selbst gängige „Soft“-Pornos sind insofern problematisch, als sie ein unausgewogenes Mann-Frau-Verhältnis darstellen: Die Frau sei willig und untergeben, der Mann dominant und allzeit bereit. In den meisten professionellen Pornos imponieren auch die Körper der Darsteller. Körbchengröße Doppel-D und überdurchschnittlich große männliche Geschlechtsteile können Teenies jedoch gehörig einschüchtern und den eigenen Körper kritisch betrachten lassen.

Falsche Inspirationsquelle für Jugendliche

Pornosex hat einen trieb- und lustgesteuerten, fast schon animalischen Charakter, während der Aspekt von „Sex aus Liebe und Zuneigung“ komplett auf der Strecke bleibt. Das ist kein Vorbild, an dem sich unerfahrene Jugendliche orientieren sollten. Von sexueller Demütigung, körperlicher Gewalt und Fetischen in Hardcore-Filmen ganz zu schweigen.
Bei zu jungen Betrachtern können solche Eindrücke tiefe Spuren hinterlassen. Ihre sexuelle Entwicklung kann von Pornografie negativ beeinflusst werden. Es findet auch eine Art der Abstumpfung statt. Wer an Pornografie und Hardcore-Sex gewöhnt ist, der wird kaum noch etwas Verwerfliches an einem „banalen“ Nacktfoto finden. Das Versenden von intimen Bildern über Handy und soziales Netzwerk („Sexting“) gehört für die meisten Jugendlichen zur Normalität. Ebenso fällt die Hemmung vor Sex und speziellen Sexpraktiken.

Mögliche Suchtgefahr

Längst gibt es Studien, die belegen, dass ein übermäßiger Konsum von Online-Pornos Suchtverhalten erzeugen kann. Das Gehirn eines Betroffenen reagiert auf pornografische Bilder so, wie das eines Rauchers auf Zigaretten oder eines Alkoholikers auf Alkohol. Auf Dauer wird so die sexuelle Entwicklung beeinträchtigt und auch bereits bestehende Partnerschaften leiden unter Pornosucht. Die Erwartungen, die man an einen Porno hat, werden sich im realen Leben nicht erfüllen – was für einen Dauerkonsumenten ein noch tieferes Abrutschen in die Suchtspirale bedeutet.

Undurchsichtige Produktionsverfahren

Es gibt unzählige Porno-Seiten im Internet. Bei den meisten handelt es sich um Videoportale, auf denen Filme verschiedenster Quellen gesammelt werden. Von illegal kopierten und gratis zur Verfügung gestellten Profi-„Hochglanz“-Produktionen über voyeuristische Amateuraufnahmen bis hin zu Sexfilmchen aus exotischen Ländern wie Thailand oder den Philippinen. Besonders bei letzteren ist die Gefahr groß, dass die Filme unter menschenunwürdigen Bedingungen gedreht wurden, und schlimmstenfalls sogar Fälle von Kindesmissbrauch, Mädchenhandel oder Sexsklaverei dokumentieren.
Eine Kontrolle der hochgeladenen Filme fällt von seitens der Portal-Betreiber oft nur geringfügig aus, falls überhaupt eine stattfindet. So kann es sein, dass man, ohne es zu wissen, illegale Inhalte konsumiert und kriminelle Machenschaften unterstützt.

Sowohl die Herstellung, als auch der Besitz und das Anschauen von kinderpornografischen Inhalten sind strafbar. Wer dennoch auf Kinderpornografie im Internet stößt, sollte dies unbedingt der BEE SECURE Stopline melden. Die Meldung erfolgt anonym und die Stopline sorgt dafür, dass die Inhalte gelöscht werden und, falls möglich, Täter geahndet werden.

Dann gibt es die sogenannten „Teen“-Pornos. Hier wird absichtlich mit der angeblichen Minderjährigkeit und Unerfahrenheit der jungen Darsteller gespielt. Bewusst werden erwachsene Darsteller als kleine Mädchen oder Jungs verkleidet, um in dieser unterwürfigen, nicht selten an Vergewaltigung erinnernden Rolle ihren Sexualpartner und auch den Zuschauer sexuell zu stimulieren.

 

Wie sollte man also mit Pornos umgehen?

Als Eltern

Alle Kinder kommen früher oder später mit Pornos in Kontakt

Sexualität ist kein Tabuthema mehr, weder in der Schule, noch im Alltag der Jugendlichen. Das ist an und für sich auch gut so. Was viele Lehrer und Erwachsene generell jedoch nicht wissen, ist welchen Stellenwert Pornografie in der Sexualentwicklung von Jugendlichen hat. Während Schülern einerseits mit pädagogisch ausgearbeiteten Lehrmaterialien ein ihrem Alter angepasster Sexualkundeunterricht geboten wird, kursieren anderseits Hardcore-Pornofilme auf Handys und Computern, die eigentlich so gar nicht für Kinderaugen und kindliches Vorstellungsvermögen gedacht sind.

BEE SECURE Trainer stellen fest, dass in Luxemburgs Septima-Klassen in der Regel alle Kinder bereits pornografische Inhalte gesehen haben. Dies bezieht sich auf pornografische Bilder (Fotos und Comics sowie natürlich Videos) und gilt für Jungen und Mädchen gleichermaßen.

Altersgerechte Kommunikation: über Pornos reden

Ein Unterschied ist bemerkbar in der Art und Weise, wie Pornografie von den Jugendlichen bewertet wird. Während Mädchen eher offen schockiert und angewidert reagieren, gehen Jungs ganz anders damit um. Das bedeutet nicht, dass sie nicht von den Inhalten überfordert wären, allerdings gilt es unter Jungen oft als „cool“, die anstößigen Videos nicht nur anzusehen, sondern auch in der Gruppe zu tauschen. Jungs neigen auch eher dazu, regelmäßig Pornografie zu konsumieren.

Eine gute Sexualerziehung sollte das Thema „Porno“ nicht meiden. Im Gegenteil: Weil alle Heranwachsenden früher oder später damit in Kontakt kommen, ist es wichtig, offen darüber zu reden. Nur so kann man sicher gehen, dass Kinder in ihrer Entwicklung nicht negativ von Pornos beeinflusst werden, und sie als das wahrnehmen, was sie tatsächlich sind: inszenierte Filmszenen.

Kinder bis 10/12 Jahre – Filtermöglichkeiten, um die Jüngsten zu schützen

Über Pornografie stolpert man im Internet leider sehr leicht versehentlich. Da reicht es schon aus, dass eine Sechsjährige sich bei der Suche nach der neusten „Barbie“-Puppe vertippt, um bei einer Sex-Hotline zu landen. Auch Pop-Up-Werbung ist oft von erotischer Natur und kann auf Webseiten auftauchen, die von Kindern besucht werden. Hier schafft der Pop-Up-Blocker Abhilfe: Aktivieren Sie dazu einfach in den Einstellungen des Internetbrowsers die Option „Pop-Up Fenster blockieren“.

Auch Kinderschutzsoftware ist eine gute Möglichkeit, um die jüngsten Internetnutzer vor problematischen Inhalten zu schützen. Der Markt bietet eine große Auswahl an solchen Programmen, die es Kindern erlauben, sich nur zu vorher festgelegten Zeiten auf ihrem Alter gerechten Webseiten aufzuhalten. Diese Programme führen in der Regel selbstständig Updates durch, so dass das Angebot an verfügbarem Inhalt immer aktualisiert und erweitert wird. Kinderschutzsoftware gibt es für alle Betriebssysteme in Gratisversionen (etwa über die Seite www.fragfinn.de oder direkt z.B. über Windows) oder in ausgefeilteren Versionen immer noch relativ kostengünstig.

Ihr Nachwuchs sollte, um Schockresultate bei der Websuche zu verhindern, am besten auf Kindersuchmaschinen zurückgreifen. Hier werden ausschließlich kindgerechte Internetseiten in den Resultaten angezeigt. Anstößige und nicht dem Alter entsprechende Inhalte werden gar nicht erst angezeigt.

Gute Kindersuchmaschinen sind zum Beispiel „Blinde Kuh“ (www.blinde-kuh.de),
„Frag Finn“ (www.fragfinn.de) oder „Helles Köpfchen“ (www.helles-koepfchen.de).

Auf Französisch bieten www.babygo.fr oder www.takatrouver.net entsprechenden kindgerechten Zugang.

Für sehr junge Kinder, die noch nicht den Drang nach Eigenrecherche im Internet haben, eignet sich auch die sogenannte „Positivliste“ (auch „White List“ genannt). Mit der Positivliste bestimmen Sie, welche Internetseiten Ihr Kind aufrufen kann, und sperren automatisch alle anderen. Suchen Sie die Internetseiten für die Positivliste am besten gemeinsam mit Ihrem Kind aus.

Filtermöglichkeiten und Schutzmaßnahmen für Kinder können auf verschiedenen technischen Ebenen funktionieren. Am bekanntesten sind Maßnahmen auf der Ebene des Betriebssystems, des Webbrowsers, des Routers und des Internetanbieters. Alle bieten ganz eigene Vor- und Nachteile.

Einen guten Überblick bietet das Dossier „Kinderschutz“ im Internet von BEE SECURE:
www.bee-secure.lu/dossier-jugendschutz

Seien Sie sich als Eltern bewusst, dass die beste Filtersoftware nicht das Gespräch mit dem Kind, beziehungsweise eine gute Medienerziehung ersetzt.

Jugendliche ab 12 Jahren – Hilfe, mein Kind schaut Pornos…

Wenn Sie entdecken, dass Ihr Kind Pornos schaut, ist das noch kein Grund zur Panik. Wie bereits erwähnt, kommen so gut wie alle Kinder in der Pubertät mit pornografischen Aufnahmen in Kontakt. Wenn Ihr Kind sich für solche Inhalte interessiert, sprechen Sie es darauf an, ohne zu moralisieren oder Strafen anzudrohen. Vermitteln Sie, dass Sexualität etwas sehr Positives ist, und dass Pornos nicht mit Sexualität zu verwechseln sind. Erklären Sie, dass bei einem Porno, genau wie bei einem Actionfilm, mit Schauspielern und technischen Tricks gearbeitet wird. Die stets willige, zum Sexualobjekt reduzierte Frau und der stets potente, dominante Mann entsprechen nicht der Wirklichkeit und sind keine Vorbilder, an denen sich Kinder orientieren sollten.

Ihr Kind sollte Ihnen als Ansprechpartner vertrauen können. Sprechen Sie in Ruhe über unangenehme Online-Erfahrungen und problematische Inhalte. Erklären Sie ihm Ihre Einstellung gegenüber Pornografie. Dabei sollten Sie deutlich machen, dass das Anschauen von solchen Inhalten kein Ausdruck von „Erwachsensein“ ist, und dass es normal ist, dass solche Bilder einen ganz schön durcheinander bringen können.
Mit pauschalen Verboten werden Sie hingegen wenig erreichen. Das erhöht oft nur den Reiz und führt dazu, dass das Kind andere Wege findet, die verbotenen Inhalte dennoch anzuschauen, zum Beispiel bei Freunden oder auf dem Handy.

Als Erzieher / Lehrer

Sexualerziehung ist Teil des Lehrplans, während Medienerziehung aktuell noch ein optionales Fach ist. In beiden Fächern hat das Thema „Porno“ seine Daseinsberechtigung.

In der Sexualerziehung, weil „Pornos kucken“ für viele Jugendliche zum Erwachsenwerden dazugehört. In der Medienerziehung, weil Internet und Smartphone wahre Multiplikatoren für pornografische Inhalte sind. Es reicht nicht aus, Jugendlichen im Cycle 4.2 (sechste Klasse) oder in der siebten Klasse das Thema Sexualität anhand von Büchern und pädagogischen Lehrmaterialien näherzubringen. Das bedeutet nicht, dass man mit einer Schulklasse ganze Pornofilme anschauen sollte, jedoch sollte das Thema „Porno“ auf jeden Fall aufgegriffen werden. Und zwar auf sensible Art und Weise .

In einem Alter, in dem Jugendliche sich mit dem, was mit ihrem Körper passiert, oft überfordert fühlen, kann Pornografie schnell falsche Werte und ein falsches Bild von Sexualität vermitteln. Sexuell unerfahrene Kids konsumieren Inhalte, die für ein weitaus reiferes und erfahreneres Publikum gedacht sind, und orientieren sich daran.
Hier ist es die Rolle des Lehrers zu sagen: „Was in Pornos dargestellt wird, entspricht nicht der Realität.“ Pornos können abschreckend wirken, und es beruhigt Kinder, zu wissen, dass sie sich nicht daran orientieren sollten.
Lehrer sollten zur Untermauerung dieser These auch auf die unter dem Punkt „Was ist problematisch an Pornos?“ angeführten Argumente hinweisen.

Als Jugendlicher

Pornos sind nicht die Realität und dienen nicht der Sexualerziehung. Du musst sie nicht gut finden, nur weil andere aus deiner Klasse behaupten, sie gut zu finden.

Es gibt Softporn und extreme Hardcore-Filme. Letztere haben nichts mit normaler Sexualität zu tun. Lasse dich nicht davon beeinflussen und schau sie dir am besten nicht an.

Pornos werden nicht für Jugendliche gemacht, sondern für ein erwachsenes, sexuell erfahrenes Publikum. Du interessierst dich vielleicht für deine Sexualität, solltest dir aber bewusst sein, dass Pornos keine Aufklärungsfilme sind. Es gibt im Internet durchaus Aufklärungsfilme und –webseiten, die das ganz gut veranschaulichen, wie z.B. die deutsche www.loveline.de oder die französische www.onsexprime.fr.
Super Infos bietet auch der „Jugendratgeber Gesundheit, Liebe und Sexualität“ vom luxemburgischen Planning Familial.

Weit verbreitet ist das Phänomen „Sexting“, bei dem intime Fotos und Videos per Handy untereinander verschickt werden. Denke daran: Liebe muss nicht erst mit Nacktfotos bewiesen werden. Warum du Sexting besser lassen solltest, erfährst du in unserem Themendossier. Auch wenn du selber unaufgefordert ein Foto erhältst, ist es in deinem Interesse, es zu löschen. Wer Nacktfotos von Minderjährigen, oder von Personen hat, die das nicht wünschen, beziehungsweise solche Fotos auch noch weiterverschickt oder veröffentlicht, macht sich strafbar.

Als konsumierender Erwachsener

Wer als Erwachsener bewusst pornografische Inhalte im Internet konsumiert, sollte sich auf legale und seriöse Webseiten beschränken. In Raubkopien, die man herunterlädt, sind nicht selten Schadprogramme versteckt.
Oft wird man(n) auch z.B. über soziale Netzwerke von attraktiven jungen Frauen angesprochen, die zum Cybersex animieren wollen. Dabei handelt es sich in der Regel entweder um professionelle Stripperinnen, die zahlungswillige Kunden für ihre Dienste suchen, oder aber um Betrüger(innen), die ihre Chatpartner zu sexuellen Handlungen vor der Webcam überreden, und sie anschließend mit der angedrohten Veröffentlichung der Bilder zu erpressen.

Wer Kinder hat, sollte sie auf jeden Fall vor den sexuellen Inhalten schützen. Eine einfache Möglichkeit ist das Einrichten von individuellen Benutzerkonten für jedes Familienmitglied. Hier können für die Kids z.B. Webfilter aktiviert werden, während die Konten der Eltern passwortgeschützt und für die Kids nicht zugänglich gemacht werden.

Wer zufällig auf Kinderpornografie stößt, sollte dies unbedingt (anonym) der BEE SECURE Stopline melden.