Was ist Cybermobbing?

Mobbing: Tatort Internet

Was schon 2013 eine Studie der Universität Luxemburg zeigte, hat auch 2017 nichts an Aktualität eingebüßt, wie beispielsweise die alljährlich in Deutschland durchgeführte "jugend im Netz" (JIM)-Studie anschaulich belegt: Cyber-Mobbing ist mittlerweile Teil des jugendlichen Alltags geworden. Laut der jüngst erschienenen JIM Studie (Stand 2017) können zwei Fünftel der Jugendlichen bestätigen, dass in ihrem Bekanntenkreis schon mal jemand im Internet "fertig gemacht" wurde. Bei den volljährigen Jugendlichen sogar beinahe jede/r Zweite (46 Prozent). Acht Prozent geben an, selbst schon im Internet "fertig gemacht" worden zu sein.

Diese Studienergebnisse spiegeln auch die Erfahrungen der BEE SECURE Trainer/Innen wider, die regelmäßig u.a. Elternabende, Fortbildungen für Lehrer und Erzieher und natürlich zahlreiche Schulungen für Kinder und Jugendliche jedes Jahr durchführen. Es ist daher nicht verwunderlich, dass "Cybermobbing" nach wie vor weit oben auf der Themenliste für Schulungsanfragen an BEE SECURE durch Schulen, Jugendhäusern und Maisons Relais steht.

Was versteht man genau unter (Cyber-)Mobbing?

Unter (Cyber)Mobbing (Synonym zu Cyber-Bullying) versteht man das absichtliche Beleidigen, Bedrohen, Bloßstellen oder Belästigen anderer mithilfe von Internet- und Mobiltelefondiensten über einen längeren Zeitraum hinweg. Der Täter – auch „Bully“ genannt – sucht sich ein Opfer, das sich nicht oder nur schwer gegen die Übergriffe zur Wehr setzen kann. Zwischen Täter und Opfer besteht somit ein Machtungleichgewicht, welches der Täter ausnutzt, während das Opfer sozial isoliert wird.

(Cyber)Mobbing findet im Internet (bspw. in Sozialen Netzwerken, in Video-Portalen) und über Smartphones (bspw. durch Instant-Messaging-Anwendungen wie WhatsApp, lästige Anrufe etc.) statt. Oft handelt der Bully anonym, sodass das Opfer nicht weiß, von wem genau die Angriffe stammen. Gerade bei (Cyber)Mobbing unter Kindern und Jugendlichen kennen Opfer und TäterInnen einander aber meist aus dem „realen“ persönlichen Umfeld wie z. B. der Schule, dem Wohnviertel, dem Dorf oder der ethnischen Community. Die Opfer haben deshalb fast immer einen Verdacht, wer hinter den Attacken stecken könnte.

Gerade weil der Bully meist aus dem näheren Umfeld des Opfers stammt, geht das (Cyber)Mobbing oft mit Mobbing in der Offline-Welt einher: Teils wird das Mobbing online weitergeführt, teils beginnt Mobbing online und setzt sich dann im Schulalltag fort. Aus diesem Grund sind Mobbing und (Cyber)Mobbing in der Mehrheit der Fälle nicht voneinander zu trennen.

Modethema Cyber-Mobbing?

Regelmäßig wird in den Medien über das Thema Cyber-Mobbing berichtet. Das erhöht einerseits die Aufmerksamkeit und Sensibilität für diese Gefahr und trägt zur Früherkennung bei. Allerdings ist hier auch Vorsicht geboten:

  • Nicht jeder (kleine) Konflikt zwischen Jugendlichen fällt gleich in die Kategorie Cyber-Mobbing.
  • Aus Opfern, die sich wiederum mit Cyber-Mobbing gegen selbiges zur Wehr setzen, können schnell Täter werden.
  • Mobbing ist kein reines Online-Phänomen, hat aber durch digitale Medien zweifelsohne eine neue Dimension hinzubekommen: beleidigende Kommentare und Hass-Gruppen in Sozialen Netzwerken, gemeine Fake-Profile, beschämende Videos auf YouTube, Beschimpfungen über Instant Messenger – um nur einige Beispiele zu nennen. Das Phänomen „Mobbing im Internet“ ist längst nichts Neues mehr. So zeigte bereits die „Cyberlife“-Studie des Bündnisses gegen Cybermobbing im Jahr 2013 in Deutschland, dass 90% der Eltern mit dem Begriff „Cyber-Mobbing“ vertraut sind. Aber auch „Cyber-Stalking“ und „Cyber-Grooming“ sind nicht mehr unbekannt.

Neue „Spielarten“ von Cyber-Mobbing

Mit der weiten Verbreitung von Cyber-Mobbing wandeln sich auch die Methoden und Spielarten. Speziell die sexuelle Belästigung und die Veröffentlichung von Nacktbildern (auch bekannt als „Sexting“ ) nehmen zu. Jüngere Kinder agieren eher mit Beleidigungen und Beschimpfungen allgemeiner Art, bei älteren Jugendlichen sind es eher sexuell konnotierte Themen. Immer wieder werden hierbei die Handlungen der Betroffenen selbst gegen diese benutzt, wie im Falle eines 17-jährigen Mädchens: Sie erstellte sexuell aufreizende Videos von sich und machte diese ihren Facebook-Freund/innen zugänglich. Eine Freundin benutzte die Videos allerdings, um das Mädchen bloßzustellen. Sie richtete ein kompromittierendes Fake-Profil ein, das innerhalb kürzester Zeit einen hohen Bekanntheitsgrad erreichte.

Cyber-Mobbing hat speziell im Bereich der Verbreitung von Nacktfotos eine „neue Drehscheibe“ gefunden: der Kommunikationsdienst WhatsApp hat Facebook hier inzwischen den Rang abgelaufen. Problematisch an dieser App ist, dass Nachrichten und Bilder sehr schnell an große Personengruppen verschickt werden können. Der Dienst wird häufig von Jugendlichen zur raschen und einfachen Streuung von Bildern mit sexuellem Inhalt verwendet. Dass sexuell konnotierte Bilder aber auch als Darstellungen von sexuellem Missbrauch an Minderjährigen (oftmals "Kinderpornografie" genannt) gewertet werden können, ist dabei den wenigsten (Eltern wie Jugendlichen) bekannt (siehe auch: BEE SECURE Stopline).

Prävention und Lösungsansätze

Zweifelsohne ist die steigende (mediale) Aufmerksamkeit zu Themen wie Cyber-Mobbing, Sexting, Grooming etc. eine positive Entwicklung, die dazu beiträgt, dass sich vor allem Lehrer/Innen und Eltern mit diesen Gefahren auseinandersetzen. Bei der Problemerkennung ist aber auch wichtig, nicht zu übertreiben und jeden Konflikt einzeln zu betrachten: nicht jede Streitsituation ist gleich Cyber-Mobbing! Daher ist es notwendig, dass Kinder und Jugendliche gute Strategien zur Konfliktlösung entwickeln, welche auch ihr Kommunikationsverhalten im Internet miteinschließen. Wie die „Cyberlife“-Studie schon 2013 belegte, ist Präventionsarbeit zu Hause und in der Schule besonders wichtig und kann verhindern, dass Jugendliche Opfer oder auch Täter/innen von Cyber-Mobbing werden.

Leitfragen für die gemeinsame Auseinandersetzung mit dem Thema können sein:

  • Wie bewerten wir Schimpfwörter online? Welche Bedeutung haben die gleichen Schimpfwörter von Angesicht zu Angesicht?
  • Wie reagiere ich, wenn ich mich in die Ecke gedrängt fühle? Sind meine Reaktionen sinnvoll? Welche Alternativen habe ich? Wie kann ich in Konflikten generell reagieren?
  • Wie kann ich mit Wut und Ohnmacht umgehen? Welche Alternativen habe ich, um nicht selbst die Täter/innen-Rolle zu übernehmen?
  • Wie kann ich mich in Szene setzen, ohne Nacktaufnahmen von mir zu verwenden? Mit welchen meiner Eigenschaften kann ich punkten? Wie kann ich diese online herausstreichen?

BEE SECURE bietet zudem kostenfreie Schulungen für Kinder und Jugendliche zur Prävention von Cybermobbing, sowie Schulungen für Eltern, Lehrer und Erzieher zum Thema an, mehr Informationen zu den Schulungen und Buchungsmöglichkeiten gibt es hier.

Text ist adaptiert basierend auf Originaltexten von klicksafe.de und Saferinternet.at, lizenziert unter CC BY-NC 3.0 AT. Stand: 12/2017.

Jede/r von uns kann dazu beitragen, dass Cybermobbing keine Chance (mehr) hat- ob als junger Mensch oder Erwachsener.
Im Folgenden finden Sie praktische Tipps und Antworten auf häufige Fragen, die sich im Falle von Cybermobbing stellen:

 

 

 

 

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