Beenden wir frauenfeindliche Gewalt im Netz

stop-online-violence.png

Mit der zunehmenden Vernetzung unseres täglichen Lebens wurden auch Handlungsmuster in die digitalen Sphären verlagert, die zuvor analog und oft unsichtbar stattfanden. Gewalt gegen Frauen ist ein Teil davon. Das Internet hat hinsichtlich der Sichtbarkeit dieser Art von Gewalt  und einiges geleistet, insbesondere in Bezug auf sexuelle Belästigung. Die Kampagnen #balancetonporc und #metoo sind nur die letzten, prominenten Beispiele dafür, wie es Frauen gelingt, den regelmäßig erlebten Sexismus sowohl persönlicher, als auch struktureller Natur zu bezeugen und zum Stein des Anstoßes einer Diskussion zu machen. Dies stärkt sowohl die Prävention, als auch bereits existierende Programme zum Schutz von Frauen. Erste Erfolge stellen sich ein und Täter werden zur Rechenschaft gezogen. Während das Internet also für Frauen Möglichkeiten eröffnet, sich besser zur Wehr zu setzen, hat es auch einen neuen Raum für Gewalt und Belästigung gegen Frauen geschaffen, der nicht zu vernachlässigen ist.

Verschiedene Arten der Gewalt im Netz

Die offenkundigsten Formen der Online-Gewalt gegen Frauen sind zweifelsohne die Belästigung und die Beleidigung. Youtuberinnen, Bloggerinnen und andere Nutzerinnen werden zu Objekten degradiert und auf ihre Erscheinung reduziert, die Frage nach ihrer Attraktivität steht über ihrer gesamten Persönlichkeit. Frauen, die sich gegen derart sexistische Beleidigungen wehren, werden oft zu Opfern einer ganzen Lawine von Hassnachrichten (sog. Shitstorms), in denen ihnen mit Mord oder Vergewaltigung gedroht wird. In Internetforen und auf Plattformen organisieren sich sogenannte „Raids“ - kollektive Angriffe auf ein isoliertes Opfer mit dem Ziel, sie durch die Ausübung psychischer Gewalt zum Schweigen zu bringen.

Die zweite Form der Gewalt ist weniger augenfällig und schwieriger zu identifizieren. Oft wird sie von einer einzelnen, nahestehenden Person ausgeübt, oft ist es der Partner, ein Familienmitglied oder ein(e) vermeintliche(r) Freund(in). Hier treten viele Merkmale hervor, die auch bei „traditioneller“, häuslicher Gewalt zu finden sind: Die Kontrolle des Privatlebens der Opfer, etwa durch Spionage-Apps, welche die Geokoordinaten verraten oder den Bekannten bei privaten Nachrichtenverläufen mitlesen lassen, aber auch scheinbar harmlosere Vergehen wie das Durchsuchen von Facebooknachrichten oder anderer Anwendungen. Oft gesellen sich dazu Drohungen wie beispielsweise das Versenden anzüglicher Bilder der Betroffenen an Verwandte und Bekannte.

Keine Einzelphänomene

Es ist wichtig zu verstehen, dass Gewalt im Netz keine Rarität ist, die sich ausschließlich gegen besonders exponierte Prominente oder Aktivistinnen richtet. Das Gegenteil ist der Fall. Die vermeintliche Anonymität und das toxische Autoritätsgehabe jener Männer, die immer noch glauben, das Internet sei ihr Hoheitsgebiet, führen dazu, dass gerade Frauen überproportional zu den Opfern von Online-Gewalt werden. 76% der befragten Frauen einer Studie von Amnesty International geben an, bereits mindestens einmal online zur Zielscheibe von Belästigungen und Beleidigungen geworden zu sein.

Oft wird zur Beschwichtigung angeführt, dass Männer online ebenfalls Gewalt ausgesetzt sind. Das Internet sei ein Ort rauer Umgangsformen dient der Rechtfertigung der Gewalt gegen Frauen – Sie seien einfach zu zart besaitet. Doch diese Kritik verkennt den qualitativen Unterschied in den Beleidigungen. Männer werden in der Regel aufgrund eines konkreten Vorfalls das Ziel von Spott und Häme, Frauen werden zum Opfer von Gewalt, weil sie Frauen sind – ihr Frau-Sein ist die Ursache für die Angriffe. Die Gewalt ist also eine völlig andere, als jene, die Männer erfahren.

Sich wehren - aber wie?

Für Betroffene ist es oft schwierig, sich zur Wehr zu setzen. Eine Gesuch nach Hilfe wird oft von den Opfern selbst als ein Zeichen von Schwäche gesehen und vermieden. Gerade in Beziehungen erscheint es Frauen oft noch komplizierter, gegen den Täter vorzugehen – einerseits fürchten sie die Repressalien, die sie angesichts der Insubordination erwarten könnte, andererseits empfinden sie doch oft noch Zuneigung für ihre Peiniger und möchten nicht, dass sie Probleme bekommen.

BEE SECURE hat im Zuge der Kampagne „Share Respect“ einen Leitfaden veröffentlicht, der verschiedene Formen der Online-Gewalt und des Hate Speech beschreibt und auch konkrete Vorschläge für ein Vorgehen dagegen beinhaltet. Eines der wichtigsten Mittel im Kampf gegen sexistische Gewalt ist die Solidarität. Das Opfer erfährt so, dass sie nicht allein mit ihren Problemen ist – der Täter sieht im Gegenzug, dass sein Opfer Rückhalt erfährt, dass seine Bemühungen zur Isolation ins Leere laufen. Die Wirkung von #metoo und #balancetonporc ist deshalb so gravierend, da diese einfachen „Hashtags“ ein Band zwischen den betroffenen Frauen knüpfen, das es erlaubt, sich kollektiv gegen die Gewalt zur Wehr zu setzen, die ihnen individuell zugefügt wird. Wenn diese Solidarität sich auf das Leben außerhalb des Netzes erstrecken würde, wäre das Vorgehen gegen sexistische Gewalt viel weiter fortgeschritten.

BEE SECURE empfiehlt

- Für Minderjährige, die Gewalt, ob nun online oder offline, erfahren, ist das Kannerjugendtelefon  die erste Anlaufstelle.

- Die BEE SECURE Stopline erlaubt es, anonym sexistische Inhalte sowie Hasskommentare und Terrordrohungen im Netz zu melden

- Wer selbst online Opfer von sexistischer oder anderer Gewalt wird, kann die Argumentationsstrategien von BEE SECURE verwenden, um dem Täter den Wind aus den Segeln zu nehmen.

- Die Polizei ist ebenfalls zur Unterstützung von Opfern von Gewalt im Netz angehalten. Oft sind die Taten und Aussagen der Täter strafrechtlich relevant. Zögern Sie nicht, zur Polizei zu gehen. Dokumentieren Sie, soweit es möglich ist, die erlittene Gewalt, beispielsweise mittels Screenshots.

- Ist der Täter selbst Polizist, können Sie sich an eine dritte Organisation wenden, zum Beispiel Femmes en Détresse

 

Mehr Informationen:

Quellen: haut-conseil-egalite.gouv.fr | time.com | pewinternet.org | Bild: pixabay.com