Cyber-Mobbing in Zeiten der Pandemie

Kleiner Junge und kleines Mädchen mit Maske und Schulranzen
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Obwohl Luxemburgs Schulen, im Vergleich zu anderen Ländern, länger offen waren, hat insgesamt das soziale Leben von Kindern und Jugendlichen dennoch viel online stattgefunden. Es ist daher keine Überraschung, dass sich auch Konfliktsituationen im Internet verstärken.

Statt im persönlichen Kontakt primär online

Das beinahe gesamte soziale Umfeld der Kinder und Jugendlichen hat sich in Zeiten der Pandemie in die online Welt verlagert: Schulunterricht, Spieleabende mit FreundInnen, Interessengruppen, Flirts – all das findet auf einmal überwiegend digital statt.

Eine Zunahme von Cyber-Mobbing ist wahrscheinlich

Durch die pandemiebedingte Verlagerung des Lebens von Schülern sowie der Klassen- bzw. Schulgemeinschaft ins digitale lässt sich beobachten, dass damit auch Konflikte bishin zu Mobbing –ins digitale verlagert werden. Alleine diese Umstände machen eine Zunahme von Cyber-Mobbing wahrscheinlich. Es ist also mehr denn je wichtig, sich der Thematik in Zeiten von Homeschooling anzunehmen und auch als Lehrende einen wachsamen Blick darauf zu haben.

Aufmerksam zu sein ist gerade zu Zeiten von Homeschooling besonders wichtig. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass Irritationen, Konflikte und auch deren Bewältigung – während und außerhalb des Unterrichts – großteils digital und in sozialen Netzwerken stattfinden. Viele verbale und nonverbale Anzeichen, die im Präsenzunterricht von LehrerInnen aufgegriffen werden können, sind durch die Distanz weniger oder überhaupt nicht sichtbar. Das schränkt die Handlungsmöglichkeiten von Lehrenden vergleichsweise ein.

Das Leben der Klasse verlagert sich in die online Welt

In Zeiten von Homeschooling, gibt es wenig Raum für gruppendynamische Prozesse im gewohnten Sinne – weshalb auch diese sich in den online Raum verlagern: in WhatsApp-Gruppen, in den Online- Unterricht oder in soziale Netzwerke und auf Spieleplattformen.

Auch Lehrpersonen stellt dies vor neue Herausforderungen – vor allem dann, wenn es sich um neue Klassen oder Klassen mit neuen SchülerInnen handelt. Die Klassen beim gruppendynamischen Zusammenfinden zu begleiten ist deutlich verändert durch digitale oder „blended“-Formate (Mischung aus Digital- und Präsenzunterricht).

In vielen Klassen entstehen – ab dem Moment, wo Kinder selbst Zugang zu einem Smartphone haben – WhatsApp-Gruppen. Umso jünger die Kinder sind, desto mehr Wildwuchs entsteht hier. Denn die Kinder erleben sich als selbstwirksam, wenn die von ihnen eingerichtete WhatsApp-Gruppe mehr Aktivität hat als die der anderen. Ist hier kein korrigierendes Element, wie beispielsweise eine aufmerksame Lehrkraft, aktiv, so kann die Aktivität in der Gruppe schonmal ausufern.

Wenn es keine Möglichkeit der informellen Kommunikation in der Klasse gibt, so suchen die SchülerInnen diese in der online Welt. Es werden also nicht nur die Unterrichtsstunden in den online Raum verlagert, sondern auch in die Pausen.

Wie können Lehrende Cyber-Mobbing bemerken?

Können Lehrende ihre Schülerinnen und Schüler nicht in der Klasse – oder zumindest als eine gesamte Gruppe erleben, so fehlt mitunter das Bauchgefühl für die aktuelle Situation der Klasse. Es müssen also neue und andere Wege her, wie sich die Lehrkraft ein Bild machen kann:

  • nachfragen
  • zwischen den Zeilen lesen (z. B. in Aufsätzen oder in den online Meetings)
  • aktuelle Situation miteinander reflektieren
  • Äußerungen von SchülerInnen ernst nehmen

In der Schule sind in Zeiten der Pandemie viele organisatorischen Dinge zu besprechen, da bleibt oft wenig Zeit und Raum für das soziale Leben der Klasse. Lehrende müssen also direkt nachfragen, wie es den Kindern geht. Beispielweise in Kleingruppen oder im Direktchat mit einzelnen Kindern. So kann auch miteinander die aktuelle Situation reflektiert werden. Ergänzend stellt sich die Frage, wie LehrerInnen ihre SchülerInnen unterstützen können, sich auszutauschen – in formellen und informellen Settings. Wichtig ist, dass gerade dieser Austausch mitgedacht und auch in didaktische Settings eingeplant wird. Es geht darum, dabei zu unterstützen, förderliche Beziehungen aufrechtzuerhalten oder diese (wieder)aufzubauen.

Eine konkrete Möglichkeit des Hinsehens auf mögliche (unbeobachtete) Eskalationen bieten auch indirekte Rückmeldungen von SchülerInnen. In den Arbeiten der SchülerInnen konnten immer schon Hinweise auf Konflikte oder Mobbing in der Klasse gefunden werden. Auch in den Zeiten der Pandemie gibt es diese Möglichkeit.

Störungen in Online-Meetings

Je länger die Situation dauert und der Unterricht online in MS Teams oder Zoom umgesetzt werden muss, desto mehr Lehrende leiden unter Störungen dieser Meetings. Diese Störungen lassen sich manchmal auf Langweile bei den SchülerInnen zurückführen oder deren Bedürfnis, selbstwirksam zu sein. Aber sie können auch ein Ausdruck von Störungen in der Klassengemeinschaft sein: Werden beispielweise immer bestimmte SchülerInnen auf stumm geschaltet oder ihnen die Möglichkeit der Beteiligung entzogen? Kann es sein, dass manche Kinder oder Jugendlichen so still sind, weil sie Angst haben, von anderen fertig gemacht zu werden? Sind manche in der Klasse bei Beiträgen bestimmter SchülerInnen besonders laut?

Was können Lehrende tun?

Wenn Lehrende den Eindruck haben, hier könnte etwas nicht stimmen, ist es wichtig, aktiv zu werden, auch wenn es noch keine Meldungen von Eltern oder Kindern geben sollte. So lassen sich Situationen vielleicht schon frühzeitig entschärfen.

 

Originaltext: www.saferinternet.at