Hype um Netflix-Serie „13 Reasons Why“ („Tote Mädchen lügen nicht“) - was Eltern und Erzieher wissen sollten

Hype um Netflix-Serie „13 Reasons Why“ („Tote Mädchen lügen nicht“) - was Eltern und Erzieher wissen sollten

Eine neue Netflix-Serie schlägt große Wellen. „13 Reasons Why“ (Deutscher Titel: „Tote Mädchen lügen nicht“) behandelt das Thema Suizid und steht wegen expliziter Darstellungen in der Kritik. BEE SECURE fasst zusammen, was Eltern, Erzieher und Lehrer über die Serie wissen sollten.

„13 Reasons Why“ des Streamingdienstes Netflix ist aktuell ein großer Hit. Auch wenn Netflix seine Streaming-Zahlen nicht veröffentlicht, lässt sich anhand der Diskussionen in sozialen Netzwerken sehr gut nachvollziehen, dass die Serie eine große Zuschauerzahl erreicht. Und das natürlich auch von Jugendlichen, die nicht unbedingt auf den drastischen Inhalt der Serie vorbereitet sind. Die Serie ist mittlerweile auch bei anderen bekannten Streaming-Portalen zu finden, so dass davon auszugehen ist, dass Jugendliche auf jeden Fall einen Weg finden werden, die Serie zu sehen.

Worum geht es in der Serie?

Die Verfilmung des gleichnamigen Buches handelt von der 17-jährigen Schülerin Hannah Baker, die vor ihrem Suizid 13 Ton-Kassetten aufnimmt. Die Kassetten richten sich an 13 Personen an Hannahs Schule, denen sie eine Mitschuld an ihrem Suizid gibt. Auf den Tonbändern beschreibt sie die Gründe für ihren Suizid: Gerüchte, (Cyber-)Mobbing, Vergewaltigung und Menschen, die ihr in ihrer Notlage nicht halfen. Alle diese Themen werden – ebenso wie Hannahs Suizid in der letzten Folge – sehr detailliert und realistisch dargestellt.

Diese explizite Darstellung – aber auch viele andere Details der Serie – werden von vielen Experten und Suizid-Überlebenden kritisiert. Viele Regeln, die für die Porträtierung von Suizid in den Medien existieren, werden von „13 Reasons Why“ gebrochen. Wenn Suizidmethoden explizit und graphisch dargestellt werden und die Geschichte den Tod romantisiert und verklärt, ist die Gefahr, dass es zu einem Nachahmungeffekt (Werther-Effekt) kommt, groß. Besonders, wenn es zu einer Identifikation mit der Hauptperson kommt – und die Figur Hannah mitsamt ihrer Geschichte bietet jede Menge Identifikationspunkte für Jugendliche. Außerdem wird kritisiert, dass die Serie mögliche psychische Störungen, die oft die Grundlage eines Suizides sind, nicht thematisiert und Beratungsstellen in einem sehr negativen Licht dargestellt werden.

Was können Eltern und Pädagogen tun?

Mittlerweile hat Netflix reagiert und blendet nun zusätzliche Warnungen vor bestimmten Folge der Serie ein. Solche Warnungen können allerdings keine elterliche oder pädagogische Begleitung ersetzen, die vor allem bei jungen Jugendlichen nötig wäre. Mittlerweile gibt es schon viele Leitfäden, die Eltern und Erziehern Tipps geben, wie sie mit Jugendlichen über „13 Reasons Why“ reden können. Das Blog des Austen Riggs Centers hat eine dreiteilige Artikelserie aus klinischer Perspektive veröffentlicht, inklusiver einiger „DO´s and DONT´s“:

  • Wer das Gefühl hat, verletzlich zu sein oder den Gedanken an die Serie und die dargestellten Inhalte unangenehm findet, sollte sie nicht anschauen.
  • Eltern sollten die Serie mit ihren Kindern gemeinsam ansehen. Wenn sich Kinder oder Jugendliche die Serie alleine angesehen haben, sollten Eltern oder Pädagogen unbedingt mit ihnen darüber reden.
  • Die Serie sollte mit kritischem Blick angesehen werden und die Entscheidungen von Hannah und ihren Freunden analysiert und hinterfragt werden, vielleicht gibt es ja auch alternative Handlungsmöglichkeiten in einer bestimmten Situation.
  • Die Serie bietet eine gute Gelegenheit für Eltern über Themen wie Coming-out, Gewalt, Mobbing und Alkohol im Straßenverkehr zu reden.
  • Die Serie ist eine gute Gelegenheit, um Fragen zu suizidalen Gefühlen oder Gedanken zu stellen.

Des Weiteren hat die Organisation SAVE (Suicide Awareness Voices of Education) 13 Stellungnahmen zur Serie verfasst, die Eltern mit ihren Kindern besprechen können. Von den Stellungnahmen gibt es auch eine deutsche Version.

Für Pädagogen und Erzieher hat die „National Association of School Psychologists“ einen ausführlichen Leitfaden bereitgestellt.

Wo finde ich Hilfe?

Wenn Sie Suizidgedanken haben oder Menschen kennen, die welche haben, erhalten Sie in Luxemburg bei folgenden Stellen Hilfe:
Unter prevention-suicide.lu sind sämtliche wichtigen Informationen für Betroffene und Angehörige zusammengefasst. Dort finden sich Kontakte von Bereitschaftsdiensten, Beratungsstellen, Telefonischer Beratung und Selbsthilfegruppen.

Die wichtigsten telefonischen Beratungen in Luxemburg:

  • SOS Détresse: 45 45 45 (Täglich 11:00 bis 23:00, freitags und samstag bis 03:00)
  • Kanner-Jugendtelefon: 116 111 (montags, mittwochs und freitags 17:00 bis 22:00, dienstags und donnerstags 14:00 bis 22:00, samstag 14:00 bis 20:00)
  • Elterentelefon: 26 64 05 55  (montags bis freitags 9:00 bis 12:00, mittwochs von 17:00 bis 20:00)
  • BEE SECURE Helpline: 8002 1234 (montags bis freitags 9:00 bis 16:00)

Auf der Webseite 454545.lu/ ist es außerdem möglich schriftlich beraten zu werden. Da diese Beratung zeitversetzt funktioniert, ist in zeitkritischen Fällen der Griff zum Telefon anzuraten!

Weitere Quellen: