
Ob Sexting, weitergeleitete Nacktbilder, Sextortion oder KI-generierte Deepfakes: Intime Inhalte können online schnell außer Kontrolle geraten. Entscheidend ist immer die Zustimmung der betroffenen Person. Ohne Einverständnis dürfen intime Bilder, Videos oder manipulierte Inhalte nicht gespeichert, weitergeleitet oder veröffentlicht werden.
Wenn intime Inhalte ohne Zustimmung geteilt werden
Wenn intime Bilder oder Videos ohne Einverständnis verbreitet werden, spricht man oft von NCII. Die Abkürzung steht für Non-Consensual Intimate Images, also nicht-einvernehmliche intime Bilder. Dazu gehören zum Beispiel weitergeleitete Nacktbilder, Screenshots aus privaten Chats, intime Videos nach einer Trennung oder Inhalte, die zur Erpressung genutzt werden.
Wichtig ist dabei, nicht die betroffene Person verantwortlich zu machen. Fragen wie „Warum hast du das Bild verschickt?“ helfen nicht weiter und können zusätzlich belasten. Die Verantwortung liegt bei der Person, die Druck ausübt, Inhalte missbraucht oder sie ohne Zustimmung verbreitet.
Neuer rechtlicher Rahmen in Luxemburg
In Luxemburg wurde im April 2026 ein Gesetzesprojekt zur Bekämpfung von Cybergewalt vorgestellt. Es soll den Code pénal an neue digitale Formen von Gewalt anpassen. Vorgesehen sind unter anderem Bestimmungen zur nicht-einvernehmlichen Verbreitung sexueller Inhalte, auch durch Deepfakes, zu Cyberflashing, Online-Stalking sowie sexueller und kollektiver Online-Belästigung.
Der Gesetzgebungsprozess ist noch nicht abgeschlossen. Unabhängig davon können je nach Situation bereits heute bestehende Straftatbestände betroffen sein, etwa Erpressung, Bedrohung, Belästigung, Verletzungen der Privatsphäre oder Bestimmungen zum Schutz von Minderjährigen.
Was tun, wenn intime Inhalte im Umlauf sind?
Betroffene sollten möglichst nicht allein bleiben. Diese Schritte können helfen:
- Beweise sichern: Screenshots machen, Links speichern, Nutzernamen, Profilnamen, Datum, Uhrzeit und Nachrichten dokumentieren.
- Nicht auf Druck eingehen: Bei Sextortion nicht zahlen und keine weiteren Bilder schicken.
- Inhalte auf der Plattform melden: Inhalte direkt bei Instagram, TikTok, Snapchat, Facebook, YouTube oder anderen Diensten melden.
- Hashing-Tools nutzen:
- Für Erwachsene kann StopNCII.org helfen. Das Tool erstellt auf dem eigenen Gerät einen digitalen Fingerabdruck des Bildes oder Videos. Die Datei selbst wird nicht hochgeladen. Der Hash kann von teilnehmenden Plattformen genutzt werden, um identische Inhalte zu erkennen und deren Verbreitung einzudämmen.
- Für Minderjährige gibt es Take It Down von NCMEC. Es richtet sich an Personen, deren intime, teilweise intime oder sexualisierte Bilder oder Videos entstanden sind, bevor sie 18 Jahre alt waren. Auch hier wird mit Hashes gearbeitet, um die Verbreitung auf teilnehmenden Plattformen einzudämmen.
- Unterstützung holen: Wer betroffen ist oder unsicher ist, wie er reagieren soll, kann sich an die BEE SECURE Helpline Die Beratung ist kostenlos und vertraulich: 8002 1234 per Telefon oder schriftlich.
Nicht weiterleiten, sondern unterstützen
Wer intime Inhalte von anderen erhält, sollte sie nicht speichern, nicht weiterleiten und nicht kommentieren. Auch ein Screenshot oder ein „nur an eine Person schicken“ kann den Schaden vergrößern. Besser ist: die Verbreitung nicht unterstützen, sondern stattdessen Inhalte melden und der betroffenen Person zeigen, dass sie nicht allein ist. Intime Inhalte gehören der betroffenen Person. Ohne Zustimmung teilen, veröffentlichen oder manipulieren heißt, eine Grenze zu überschreiten.
Inhalte melden: National Trusted Flagger und BEE SECURE Stopline
- Problematische Inhalte auf großen Online-Plattformen können auch über den BEE SECURE National Trusted Flagger gemeldet werden: bee-secure.lu/ntf.
- Das kann zum Beispiel relevant sein bei nicht-einvernehmlichem Teilen intimer Inhalte. BEE SECURE prüft die Meldung und kann sie, je nach Fall, an die Plattform weiterleiten.
- Wenn Inhalte Darstellungen sexuellen Missbrauchs an Minderjährigen zeigen oder ein entsprechender Verdacht besteht, können sie außerdem über die BEE SECURE Stopline (stopline.bee-secure.lu). gemeldet werden.







