Studie zeigt: 1300 Kinderfotos bis zum 13. Lebensjahr durch Eltern in sozialen Medien gepostet

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Mit jedem neuen Profilbild, jedem Einkauf bei digitalen Warenhäusern und jeder neu registrierten Email-Adresse wird unser digitaler Fußabdruck im Netz größer. Insbesondere Kinder neigen u.a. durch ihre große Präsenz auf bestimmten Social-Media-Seiten dazu, zu viel von ihrer Persönlichkeit preiszugeben. Das Office of the Children´s Commissioner in England, einer NGO, die sich dem Schutz von Kinderrechten  verschrieben hat, veröffentlichte im November 2018 die Ergebnisse einer Studie, die das Thema Data Collection (Datensammlung) bei Kindern untersucht hat. BEE SECURE fasst im Artikel die wichtigsten Ergebnisse der Studie zusammen und gibt Tipps, wie die Übersicht über die im Internet veröffentlichten Daten gewahrt werden kann.

Data Collection bereits in der frühen Kindheit

Im Gegensatz zu älteren Menschen, die einen großen Teil ihres Lebens ohne Internet verbracht haben, kommt die oftmals als „Digital Natives“ bezeichnete Generation von Geburt an mit dem Internet in Berührung – das Internet ist von Anfang an ein Teil der Lebenswelt. Schon in immer jüngeren Jahren melden sich Kinder selbst bei Social-Media-Plattformen an und verbringen auch durchschnittlich immer mehr Zeit auf diesen. So kommt die Studie von Children´s Commisioner zu dem Ergebnis, dass Kinder bzw. Jugendliche zwischen fünf und fünfzehn Jahren durchschnittlich bis zu zwei Stunden am Tag online sind. Eine weitere Statistik, die der Studie entnommen ist, verdeutlicht, welche Tragweite dies für das Onlineverhalten von Jugendlichen hat: Jugendliche zwischen elf und sechzehn Jahren verfassen durchschnittlich sechsundzwanzig Posts (also Bilder, Texteinträge und sogenannte Snaps (Kurzmitteilungen in Bildform) am Tag – dies sind bis zum Alter von achtzehn Jahren nahezu 70.000 Posts. Eine Untersuchung der UNICEF  im Jahre 2010 ergab, dass in Industrieländern 89% aller Kinder bereits vor ihrem zweiten Geburtstag einen digitalen Fußabdruck hinterlassen haben. Dies liegt auch an Eltern oder Verwandten, die Bilder, Videos, Sprachaufnahmen usw. ihrer Kinder auf Social-Media-Plattformen posten. Children´s Commissioner fand  heraus, dass Eltern bis zu hundert Bilder und Videos ihrer Kinder bis zur Vollendung ihres dreizehnten Lebensjahrs mit anderen auf Social-Media-Plattformen geteilt haben.

Eine Infografik auf der Webseite von Children‘s Commisioner verdeutlicht, wie umfangreich und allumfassend internetbezogene Daten von Kindern gesammelt werden. Dabei wird nicht nur auf die bereits genannten Einflussfaktoren Bezug genommen, auch etwa mit einer Cloud vernetzte Babykameras oder Babyphones können Daten von Kindern speichern. Fraglich sei, was mit diesen Daten geschieht und welche Auswirkungen dies auf das Leben der Kinder hat.

Data Collection – Nutzen und Risiken

Es werden also immer mehr Daten von/über Kinder(n) verbreitet und gesammelt. Dabei sei nicht immer ganz klar, wer auf diese Daten Zugriff erhält und was mit diesen geschieht. Dass Kinder im Kontext der Data Collection zunehmend  in den Fokus geraten birgt Nutzen und Risiken. Personenbezogene Daten können Statistikinstituten dabei helfen, die individuellen Bedürfnisse und Probleme von Heranwachsenden besser zu erfassen und somit dazu beitragen, diese zu lösen. Dennoch ist es für Eltern und Jugendliche unerlässlich, auch über die Risiken Bescheid zu wissen: Die Studie des Children´s Commisioner resümiert, dass das größte Risiko wohl darin liege, dass sich in einer so rasant wachsenden Branche wie der der Social Media Risiken schlicht noch nicht gänzlich abschätzen lassen; derzeit könne niemand vollends kontrollieren, was letztlich mit den gesammelten Daten geschieht. Das klassische Beispiel, dass ein Job-Interview aufgrund der im Internet preisgegebenen Peinlichkeiten negativ für den Bewerber ausgehen kann, stelle dabei lediglich die Spitze des Eisberges dar. Datendiebstahl oder Cyberbullying könnten ebenfalls direkte Auswirkungen von Data Collection sein, urteilt Anne Longfield von Children´s Commissioner im Vorwort der Studie.

Data Collection entgegenwirken – Aber wie?

Viele Menschen, insbesondere Kinder, sind sich der Tragweite ihrer Entscheidungen im Internet nicht bewusst. Wichtig, um unerwünschte Data Collection zu vermeiden, ist vor allem Aufklärung. Sowohl Kinder als auch Erwachsene sollten sich darüber bewusst sein, auf welchen Seiten sie surfen, welche mit dem Internet vernetzen Geräte sie benutzen und sich darüber informieren, wie und warum diese (persönliche) Daten speichern und verarbeiten. Ein Bewusstsein für das Thema schaffen möchte die Big Data-Kampagne von BEE SECURE. Ihr Ziel ist es, durch Informationen mehr Transparenz um Datensammlung im Internet zu schaffen und zur Diskussion anzuregen. Dort werden auch zahlreiche Tipps und Tricks angeboten, die Nutzern dabei helfen können, die Kontrolle über persönliche Daten im Internet zu wahren.

 

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