Netiquette

Unter Netiquette verstehen wir eine Sammlung von Verhaltensvorschlägen oder -regeln, die das Miteinander im Netz für alle angenehmer machen sollen. Das Wort setzt sich zusammen aus den englischen Wörtern „Net“ (Netz, Internet) und „etiquette“ (Etikette, Verhaltenskodex). Heute wird immer öfters der Begriff „Code of Conduct“ (Verhaltenskodex) benutzt, im Grunde ist aber das gleiche gemeint.

Die frühesten Netiquetten stammen aus dem USENET, welches in der Frühzeit des Internets Diskussionsforen zu allen möglichen Themen bot. Obwohl einige der damaligen Regeln, die sich auf technische Aspekte des USENET bezogen, mittlerweile überlebt sind, sind viele noch gültig. Es gibt allerdings auch keine allgemeingültige Form der Netiquette, sondern jede Webseite und jede Community stellt einen an ihre Verhältnisse angepassten Verhaltenskodex bereit. Es gilt deswegen, die jeweilige Netiquette zu lesen, bevor man in einer bestimmten Community aktiv wird. Gerade im Kontext von Hate Speech ist es wichtig, die Netiquette zu kennen und bestimmte Verhaltensweisen zu befolgen!

Prinzipiell sollte man stets dem Grundsatz folgen, andere so zu behandeln, wie man selber auch gerne behandelt werden möchte. Obwohl es viele verschiedene Formen der Netiquette gibt, können daher einige Regeln als allgemeingültig betrachtet werden:

  • Am anderen Ende sitzt auch ein Mensch
  • Höflich und respektvoll sein
  • Andere Meinungen respektieren
  • Nicht zur Gewalt aufrufen/ Kein Hate Speech!
  • Nichts teilen, ohne die Quelle zu prüfen
  • Die Privatsphäre anderer respektieren

Am anderen Ende sitzt auch nur ein Mensch

Wenn wir im Internet kommunizieren, kommunizieren wir immer auch mit Menschen. Dadurch, dass wir vor einem Bildschirm bzw. einem Smartphone sitzen, fällt es leicht, dies zu vergessen. Es ist aber wichtig, sich nicht vom Medium ablenken zu lassen und sich immer wieder in Erinnerung zu rufen, dass auf der anderen Seite der Leitung ein fühlender, denkender Mensch sitzt, der genauso wie wir selbst menschliche Fehler und Schwächen hat. Darum sollten wir andere so behandeln, wie wir selbst behandelt werden möchten.

Höflich und respektvoll sein

Ein höflicher und respektvoller Umgangston ist besonders dann wichtig, wenn wir mit Unbekannte kommunizieren. Auch wenn das Internet dazu verleitet, einen saloppen Gesprächston zu pflegen, so sollten wir dennoch darauf achten, stets ein Mindestmaß an Respekt zu zeigen, wie wir es auch bei einem Gespräch in der „realen“ Welt tun würden. Zu einem respektvollen Umgang gehört natürlich auch, auf persönliche Beleidigungen oder Beschimpfungen zu verzichten. Es empfiehlt sich außerdem, auf die eigene Rechtschreibung zu achten: Eine klare Sprache vereinfacht die Kommunikation - auch wenn dies niemals eine hundertprozentige Garantie ist, nicht doch missverstanden zu werden.

Andere Meinungen respektieren

Eine Vielfalt an Meinungen und Ansichten ist einer der Grundsätze unserer Gesellschaft, von der auch unsere Demokratie lebt. Um die eigene Meinung festigen und überprüfen zu können, ist der Austausch von Argumenten ein wichtiges Instrument. Das passiert auch immer öfters in den sozialen Netzwerken. So befriedigend das konstruktive Diskutieren und Streiten sein kann, so frustrierend ist es aber auch, wenn ein Gesprächspartner auf seiner Meinung beharrt und versucht, alle anderen davon zu überzeugen. Es gilt deswegen öfters, auf die bekannte Formel „Let‘s agree to disagree“ („Lass uns übereinstimmen, dass wir nicht übereinstimmen!“) zurückzugreifen und eine Diskussion, die im Kreis verläuft, so zu beenden. So muss eine Meinungsverschiedenheit nicht als Streit eskalieren. Aus konstruktiven Diskussionen können alle Diskutant_innen etwas für sich herausziehen und dabei lernen. Allerdings gilt natürlich: Hass ist keine Meinung!

Kein Hate Speech!

Hassrede oder Hate Speech ist im Internet absolut unerwünscht. Zu Hate Speech gehören rassistische, sexistische, homo-, bi- und transfeindliche oder sonstige diskriminierende Äußerungen. Dazu gehören auch Aussagen, die die Religion, die Klasse, die körperlichen Eigenschaften, eine Behinderung oder Krankheit einer Person herabwürdigen. Zu Hate Speech gehören außerdem Aufrufe zur Gewalt. Ganz abgesehen davon, dass viele solcher Äußerungen nach dem luxemburgischen Gesetz ohnehin verboten sind, sind sie beleidigend und gehören nicht ins Netz. Sie können in vielen Fällen auch dafür sorgen, dass du aus einer Community verbannt wirst und einen schlechten Ruf erhältst.

Nichts teilen, ohne die Quelle zu prüfen

Leider finden sich im Netz viele Falschinformationen oder -meldungen, die oft massenhaft geteilt werden, ohne dass die Quelle geprüft wird. Natürlich sind wir nicht alle Journalist_innen und können jede Nachrichtenmeldung auf ihre Richtigkeit prüfen, aber ein kurzer Check, ob die Meldung bei einem seriösen Medium veröffentlicht wurde, ob das Bild aus dem angegeben Kontext stammt und ob die Meldung vielleicht noch in anderen Medien auftaucht, sollte vor dem Teilen oder "Sharen" für jeden von uns möglich sein. Dabei ist es wichtig nachzusehen, welche Quellen angeführt werden, ob die Meldung noch aktuell ist (wann das letzte Update war) und wer der_die Autor_in ist. Logos, Links auf andere Webseiten und die Selbstbeschreibung einer Webseite geben ebenfalls Hinweise darauf, wie seriös eine Quelle ist oder aus welcher Position heraus die Meldung geschrieben wurde. Im Zweifelsfall ist es besser, eine reißerische Meldung nicht zu teilen und auf handfeste Fakten zu warten oder selbst zu recherchieren. Gerade bei aktuellen, unklaren Nachrichtenlagen ist es immer besser, abzuwarten, bevor man eine Meldung teilt, die sich später als Falschmeldung herausstellt. Denke daran: Eine falsche Schlagzeile kann noch lange im Gedächtnis bleiben, die Richtigstellung wird unter Umständen jedoch nie gelesen.

Privatsphäre anderer respektieren

Eigentlich sollte diese Regel selbstverständlich sein: Die Daten anderer gehören ihnen und nicht dir, also kannst du auch nicht bestimmen, was damit passieren soll. Gib nicht mehr von anderen preis als sie selbst, schon gar nicht öffentlich! Das betrifft insbesondere sensible Daten wie Adresse, Telefonnummer, Gesundheitszustand, usw. Auch vermeintlich harmlose Informationen können in den Händen von Kriminellen schnell zur „Waffe“ werden – gerade bei den Opfern von Hate Speech gilt es deswegen, sie zu schützen, indem man keine weiteren Daten über sie herausgibt.
Diese Grundsätze können viel Ärger vermeiden, wenn sie befolgt werden. Allgemein ist immer die Netiquette oder der Code of Conduct der jeweiligen Seite oder des jeweiligen Dienstes zu beachten und einzuhalten.

Quellen:

Download

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