
„Ich habe ein wenig dein Profil gestalkt“ – solche Sätze hört man häufig. Meist ist damit nur gemeint, dass jemand neugierig durch ältere Beiträge scrollt. Mit tatsächlichem Stalking hat das wenig zu tun.
Echtes Stalking – ob online oder offline – ist eine Form von Gewalt. Betroffene fühlen sich dauerhaft beobachtet, unter Druck gesetzt und in ihrer Lebensgestaltung massiv eingeschränkt.
Was ist Stalking – und was ist Cyberstalking?
Unter Stalking versteht man ein obsessives, über längere Zeit andauerndes Muster von Bedrohung und Belästigung, bei dem die Sicherheit des Opfers bedroht und seine Ruhe gravierend beeinträchtigt wird.
Von Cyberstalking spricht man, wenn sich dieses Verhalten vor allem online abspielt – zum Beispiel über:
- Messenger wie WhatsApp, Signal, Telegram
- soziale Netzwerke (Instagram, TikTok, Snapchat, Facebook, X …)
- E‑Mails, SMS, Anrufe, Games und Foren
- Tracking‑Apps, versteckte AirTags oder andere Ortungsgeräte
Typisch ist, dass Täter immer wieder Kontakt aufnehmen, Grenzen ignorieren und die betroffene Person kontrollieren wollen. Häufig stammen sie aus dem persönlichen Umfeld – etwa (Ex‑)Partnerinnen, vermeintliche Freundinnen, Kolleginnen oder Familienmitglieder.
Wie zeigt sich Cyberstalking?
Cyberstalking kann viele Gesichter haben, zum Beispiel:
- Flut an Nachrichten und Anrufen, auch nachts, obwohl Sie klar gesagt haben, dass Sie keinen Kontakt wünschen
- ständige Forderung nach Live‑Standort, Passwörtern oder Screenshots von Chats
- Beleidigungen, Drohungen oder Erpressung mit intimen Bildern („Sextortion“)
- Veröffentlichung Ihrer Adresse, Telefonnummer, Schule/Arbeitsstelle oder Fotos („Doxxing“)
- Fake‑Profile in Ihrem Namen, etwa auf Dating‑Plattformen oder Social Media
- heimliches Ausspionieren Ihrer Accounts, etwa durch mitgelesene Passwörter oder Spionage-Apps
- Überwachung Ihres Standorts mit Trackern oder versteckten Apps
Dazu kommen neue Entwicklungen: etwa das Nutzen von Deepfake‑Technik, um täuschend echt aussehende intime Bilder zu erzeugen und weiterzuverbreiten.
Die Folgen sind oft gravierend: Unruhe, Schlafstörungen, Angst, Scham, sozialer Rückzug bis hin zu Depressionen oder posttraumatischen Belastungsstörungen.
Wie können Sie sich schützen?
Geräte vor Zugriff schützen
Schützen Sie Ihre Geräte sowohl technisch als auch physisch:
- Halten Sie Betriebssystem, Apps und Browser mit Updates, Firewall und Antivirenprogramm aktuell.
- Sperren Sie Laptop, Smartphone und Tablet, wenn Sie diese kurz unbeaufsichtigt lassen (z. B. im Café, Büro oder in der Schule).
- Wenn Personen, die Ihnen feindlich gesinnt sein könnten, in Ihrer Wohnung waren, überprüfen Sie die USB‑Anschlüsse Ihres Computers auf unbekannte Sticks oder kleine Geräte – es könnten z. B. Keylogger sein, die Tastenanschläge aufzeichnen.
Starke Passwörter und Zwei‑Faktor‑Authentifizierung
Benutzen Sie sichere, einzigartige Passwörter, die nicht leicht zu erraten sind. Idealerweise verwenden Sie einen Passwortmanager. Geben Sie Ihre Passwörter niemandem weiter, auch nicht in einer Beziehung. Es ist kein Liebesbeweis, einem Partner Zugriff auf die eigenen Profile zu geben – im Gegenteil: Die Frage nach solchen Kontrollmöglichkeiten ist eine „Red Flag“, also ein Warnsignal für mögliches Kontrollverhalten oder Stalking.
Nutzen Sie, wenn möglich, Zwei‑Faktor‑Authentifizierung (2FA). So reicht ein gestohlenes Passwort allein nicht aus, um sich Zugang zu Ihren Konten zu verschaffen.
Privatsphäre-Einstellungen prüfen
Überprüfen Sie regelmäßig die Privatsphäre‑Einstellungen Ihrer Social‑Media‑Accounts. Sensible Informationen wie Adresse, Wohnort, Telefonnummer, Schule/Arbeitsplatz sollten nicht öffentlich einsehbar sein. Begrenzen Sie, wer Ihre Beiträge, Stories, Freundesliste oder Ihren Standort sehen darf.
Was tun, wenn Sie betroffen sind?
Einmal klar antworten – dann nicht mehr reagieren
Wenn Sie unerwünschte Kontaktversuche erhalten, können Sie einmal höflich, aber bestimmt schreiben, dass Sie keinen weiteren Kontakt wünschen. Anschließend sollten Sie nicht mehr antworten – auch dann nicht, wenn die Person provoziert oder Mitleid erregen will.
Alles dokumentieren
Ignorieren Sie die Nachrichten so gut wie möglich, aber dokumentieren Sie jede Kontaktaufnahme:
- Screenshots von Nachrichten, Profilen, Posts, Kommentaren
- gespeicherte Chatverläufe, E‑Mails, Sprachnachrichten, Anruflisten
- Notizen zu Datum, Uhrzeit und genutzter Plattform
Löschen Sie Inhalte erst, nachdem Sie sie gesichert haben. Diese Beweise sind für Beratung, Schule/Arbeitgeber oder Polizei sehr hilfreich.
Blockieren und auf Fake‑Profile achten
Blockieren Sie den Stalker oder die Stalkerin in Messengern, E‑Mails und sozialen Netzwerken. Seien Sie vorsichtig bei neuen Freundschaftsanfragen – Täter und Täterinnen versuchen häufig, über Fake‑Profile weiter Kontakt zu halten. Melden Sie solche Profile bei der jeweiligen Plattform.
Rechtliche Lage in Luxemburg (Stand Ende 2025)
In Luxemburg ist Stalking als „harcèlement obsessionnel“ in Artikel 442‑2 des Code pénal strafbar. Bestraft wird, wer eine Person wiederholt belästigt, obwohl er oder sie wusste oder wissen musste, dass dadurch die Ruhe des Opfers schwer beeinträchtigt wird. Die Strafe: 15 Tage bis 2 Jahre Freiheitsstrafe und eine Geldstrafe von 251 bis 3.000 Euro. Die Tat wird in der Regel nur auf Beschwerde des Opfers verfolgt.
Cyberstalking-Fälle können zusätzlich andere Strafnormen betreffen, etwa:
- das Gesetz zum Schutz der Privatsphäre (11. August 1982),
- das Gesetz über Diffamierung und ehrverletzende Äußerungen (8. Juni 2004),
- Regeln zum Datenschutz, Jugendschutz, Hassrede oder Cyberkriminalität.
Seit 2023 gibt es außerdem im Code du travail einen eigenen Abschnitt zum „harcèlement moral“ (Mobbing) bei der Arbeit. Digitale Belästigung im beruflichen Kontext kann damit zugleich arbeitsrechtliche und strafrechtliche Folgen haben.
Eine Proposition de loi n° 8385 soll ein eigenes Strafdelikt für „harcèlement moral numérique (cyberharcèlement)“ schaffen. Ende 2025 befindet sich dieser Entwurf jedoch noch im parlamentarischen Verfahren und ist daher noch nicht in Kraft.
Hilfe holen – Sie sind nicht allein
Zögern Sie nicht, Unterstützung in Anspruch zu nehmen. In Luxemburg helfen unter anderem:
- BEE SECURE Helpline (Tel. 8002 1234 – kostenlos, anonym, vertraulich)
- Kanner‑Jugendtelefon (KJT) – Tel. 116 111
- SOS Détresse – Tel. 454545
Wenn Sie sich bedroht fühlen oder in akuter Gefahr sind, wählen Sie den Polizei‑Notruf 113 oder die 112.







