Gefährliche Online-Gruppen: Warnzeichen bei Kindern und Jugendlichen erkennen

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Gefährliche Online-Gruppen nehmen gezielt Kinder und Jugendliche ins Visier. Sie gewinnen schrittweise ihr Vertrauen, bevor sie sie manipulieren oder unter Druck setzen. Wenn sich ein Kind oder ein Jugendlicher plötzlich zurückzieht, neue Online-Kontakte verheimlicht oder Anzeichen von Gewalt, Selbstverletzung oder starkem Gruppendruck zeigt, sollten seine Bezugspersonen aufmerksam bleiben.

Worum geht es?

Das Phänomen betrifft nicht nur einzelne Gruppen, sondern ein dynamisches Netzwerk verschiedener Online-Communities, die sich schnell verändern, neue Namen annehmen und auf unterschiedlichen Plattformen aktiv sind. Häufig werden sie mit Begriffen wie „The Com“ oder „764“ in Verbindung gebracht.

In solchen Gruppen können Mitglieder dazu angestiftet werden, strafbare oder gewalttätige Handlungen zu begehen und diese mit Fotos, Videos oder Erzählungen innerhalb der Gruppe zu belegen. Das kann von Vandalismus, Diebstahl oder Brandstiftung über Gewalt gegen Tiere oder Menschen, sexualisierte Gewalt und Selbstverletzung bis hin zur Anstiftung zu schweren Gewalttaten oder Suizid reichen.

Viele Beteiligte sind selbst jung und vulnerabel. Die Rollen sind dabei nicht immer klar getrennt: Kinder und Jugendliche können gleichzeitig Opfer, Zeugen und an Aktivitäten der Gruppe beteiligt sein.

Dieses Phänomen betrifft auch Luxemburg: Bei der BEE SECURE Helpline sind bereits entsprechende Meldungen eingegangen. Auch die Staatsanwaltschaft und die Polizei haben kürzlich vor solchen gefährlichen Online-Gruppen gewarnt.

Wie funktionieren solche Gruppen?

Die Kontaktaufnahme findet oft dort statt, wo junge Menschen online unterwegs sind: in Online-Spielen, sozialen Netzwerken oder über Messenger-Dienste. Anfangs wirkt der Kontakt häufig harmlos oder sogar positiv. Kinder und Jugendliche erhalten Aufmerksamkeit, Komplimente und das Gefühl, dazuzugehören.

Mit der Zeit wird die Kommunikation oft in private Kanäle verlagert, etwa geschlossene Gruppenchats, Server oder Online-Communities. Dort kann Gruppendruck entstehen: Betroffene sollen sich „beweisen“, bei Challenges oder Mutproben mitmachen, Grenzen überschreiten oder weitere Personen in die Gruppe bringen.

Dabei können sie dazu gedrängt werden, beleidigende oder bedrohliche Nachrichten zu verschicken, intime oder erniedrigende Inhalte von sich oder anderen zu teilen, sich selbst zu verletzen, Gewalt gegen Tiere oder Menschen auszuüben, Dinge zu beschädigen, zu stehlen oder andere strafbare Handlungen zu begehen. Häufig sollen diese Handlungen mit Fotos, Videos oder Screenshots „belegt“ und in der Gruppe geteilt werden, um Anerkennung oder einen höheren Status zu erhalten.

Durch die wiederholte Konfrontation mit gewalttätigen oder extremen Inhalten kann Gewalt mit der Zeit zunehmend als „normal“ erscheinen. Der Ausstieg aus solchen Gruppen ist oft schwierig, weil Betroffene Angst vor Konsequenzen, Drohungen, Erpressung oder Bloßstellung haben.

Worauf können Eltern, Lehrkräfte und Fachkräfte achten?

Ein einzelnes Warnzeichen ist noch kein Beweis. Wenn jedoch mehrere Auffälligkeiten zusammenkommen, sich plötzlich verstärken oder nicht zum gewohnten Verhalten eines Kindes oder Jugendlichen passen, sollten sie ernst genommen werden.

Mögliche Warnzeichen sind unter anderem:

  • starke Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit oder Rückzug;
  • Distanz zu bisherigen Freundschaften, Familie oder Vertrauenspersonen;
  • neue Online-„Freunde“, über die auffällig geheimnisvoll, begeistert oder ängstlich gesprochen wird;
  • starke Fixierung auf Gewaltinhalte, extreme Online-Communities, Symbole oder Codes;
  • ungewöhnliche Verletzungen, Narben oder Wunden;
  • lange Kleidung bei warmem Wetter, um Verletzungen zu verdecken;
  • Hinweise auf Gewalt gegen Tiere, jüngere Kinder oder andere vulnerable Personen;
  • Leistungsabfall, Konzentrationsprobleme oder auffällige Müdigkeit.

Besonders ernst zu nehmen sind sogenannte „Leaking“-Signale. Damit sind Hinweise gemeint, bei denen junge Menschen Gewaltfantasien, Drohungen oder mögliche Tatabsichten andeuten, zum Beispiel in Gesprächen, Nachrichten, schriftlichen Arbeiten, Zeichnungen oder über Aussagen anderer Kinder und Jugendlicher.

Was tun bei Verdacht?

Bei einem Verdacht sollten Erwachsene nicht selbst ermitteln.

Wichtig ist es:

  • Hinweise ernst zu nehmen;
  • Beobachtungen sachlich zu dokumentieren;
  • und vor allem, Unterstützung einzubeziehen:

Eltern können sich an die Schule, eine Beratungsstelle oder direkt an die Police* wenden.

Lehrkräfte und pädagogische Fachkräfte sollten die Informationen intern an die zuständigen Personen in ihrer Schule oder Einrichtung weitergeben, damit diese bei Bedarf Kontakt mit der Polizei* aufnehmen können.

*Die Polizei kann über die Ligne Bleue kontaktiert werden: 244 244 244. In einem Notfall oder bei unmittelbarer Gefahr muss immer der Notruf 113 gewählt werden.