
Klassenchats können praktisch sein: Sie helfen Schülern und Schülerinnen, Informationen auszutauschen, Fragen zu stellen oder sich gegenseitig zu organisieren. Gleichzeitig können sie aber auch zu Orten werden, an denen Druck, Ausgrenzung oder Cybermobbing entstehen.
Wenn der Chat zur Belastung wird
Ein Klassenchat ist oft auch außerhalb der Schulzeit aktiv: abends, am Wochenende oder in den Ferien. Für betroffene Schüler und Schülerinnen kann dadurch das Gefühl entstehen, dass es keine Pause mehr gibt.
Besonders problematisch wird es, wenn verletzende Nachrichten, Bilder oder Kommentare von vielen Personen gesehen, gelikt, kommentiert oder weitergeleitet werden. Auch ein Emoji oder eine scheinbar harmlose Reaktion kann eine belastende Dynamik verstärken.
Wie Cyber-Mobbing im Klassenchat aussehen kann
Cybermobbing ist nicht immer sofort als großer Vorfall erkennbar. Oft beginnt es mit wiederholten Kommentaren, Witzen oder kleinen Ausgrenzungen, die mit der Zeit immer belastender werden.
Typische Situationen sind zum Beispiel:
- Eine Person wird vor der Gruppe lächerlich gemacht oder bloßgestellt.
- Private Nachrichten, Fotos oder Screenshots werden ohne Zustimmung weitergeleitet.
- Schüler und Schülerinnen werden aus der Gruppe ausgeschlossen oder bewusst nicht hinzugefügt.
- Gerüchte oder Halbwahrheiten werden verbreitet.
- Eine Person wird unter Druck gesetzt oder sogar erpresst.
Die Rolle der Mitlesenden
In einem Klassenchat sind nicht nur Täter, Täterinnen und Betroffene wichtig. Auch diejenigen, die mitlesen, liken, Emojis setzen oder nichts sagen, beeinflussen die Situation.
Für betroffene Personen kann Schweigen wie Zustimmung wirken. Umgekehrt kann schon ein einfacher Satz wie „Das geht zu weit“ helfen, eine verletzende Dynamik zu unterbrechen. Hilfe zu holen ist kein Petzen, sondern bedeutet, Verantwortung zu übernehmen.
Was Lehrkräfte und pädagogische Fachkräfte tun können
Schulen und pädagogische Einrichtungen können einen wichtigen Rahmen schaffen, um Respekt und Verantwortung im digitalen Umgang zu stärken. Dabei hilft es, den Klassenchat aktiv zu thematisieren und gemeinsam klare Regeln festzulegen.
Mögliche Fragen sind:
- Wofür ist der Klassenchat gedacht – und wofür nicht?
- Welche Inhalte gehören nicht in die Gruppe?
- Wann ist ein Witz nicht mehr witzig?
- Was kann man tun, wenn man eine verletzende Situation beobachtet?
- An wen kann man sich wenden, wenn man Hilfe braucht?
Wichtig ist auch, Betroffene ernst zu nehmen und Situationen nicht herunterzuspielen. Bei konkreten Fällen sollten zuständige Personen in der Schule eingebunden werden, zum Beispiel die Direktion, der SePAS oder andere pädagogische Ansprechpersonen.
Materialien und Unterstützung
Folgende Ressourcen können im schulischen und pädagogischen Alltag hilfreich sein:
- Ratgeber für Lehrkräfte und pädagogische Fachkräfte:
„Im digitalen Zeitalter ein Vorbild sein“ – mit Tipps, Checklisten und praktischen Vorlagen für den Umgang mit digitalen Medien. - Ratgeber für betroffene Jugendliche:
„Bist du Opfer von Cyber-Mobbing?“ – in leichter Sprache, mit konkreten Hinweisen, was Betroffene tun können. - Aktivität für den Unterricht:
„Unsere Regeln für den Klassenchat“ von klicksafe – eine Unterrichtseinheit, um gemeinsam mit der Klasse Regeln für den Chat festzulegen.
Bei Fragen oder wenn Kinder, Jugendliche, Eltern oder pädagogische Fachkräfte Unterstützung benötigen, kann eine vertrauliche Beratung über die BEE SECURE Helpline in Anspruch genommen werden.







